Damals war Ishok Demir sechzehn Jahre alt und wenig begeistert vom Plan seiner Eltern. Das Dorf Kafro kannte er nur aus den Erzählungen. Sein Zuhause war die Schweiz, und hier wollte er bleiben. «Meine Eltern haben immer gesagt, wenn es euch nicht gefällt, könnt ihr in die Schweiz zurück», erinnert sich Ishok Demir, der einen türkischen und einen Schweizer Pass besitzt. 2006 zog Ishok Demir mit seinen Eltern und seinem Bruder in das Heimatdorf seines Vaters und Grossvaters zurück: das aramäische Dorf Kafro in der Südosttürkei.
Am Berg der Knechte Gottes
Während sein Bruder inzwischen in die Schweiz zurückgekehrt ist, lebt Ishok Demir weiterhin in Kafro. Eine Rückkehr kann er sich momentan nicht vorstellen. «Es ist eine Ehre, in unserer religiösen Heimat zu leben», meint er und bezieht sich dabei auf die Region Tur Abdin, von den Aramäern «Berg der Knechte Gottes» genannt. Bis im Mittelalter war die Gegend christlich geprägt. Danach breitete sich der Islam aus; heute leben noch rund 2000 Christen in der Region.
Die Eltern von Ishok Demir verliessen Kafro 1984 und kamen in die Schweiz. Zehn Jahre später reiste auch der Grossvater nach – als letzter Bewohner liess er sein Dorf hinter sich. Ab 1994 stand der aramäische Ort für rund zehn Jahre leer. Es waren unsichere Zeiten damals für die christliche Minderheit. Denn sie geriet zwischen die Fronten, als sich die Kämpfe zwischen der türkischen Regierung und den Kurden in der Region ausweiteten. Die Häuser von Kafro wurden in Mittleidenschaft gezogen, die 1500 Jahre alte Kirche des Dorfes verwüstet.
Zum Glauben gefunden
Als sich die Situation um die Jahrhundertwende beruhigte, gründeten in der Schweiz und Deutschland die ehemaligen Bewohner Kafros einen Verein. Sie sammelten Geld, um ihr Dorf wieder aufzubauen. Mit Erfolg: Ein neues Quartier mit achtzehn Häusern, und eine neue Strasse entstanden. Die Marienkapelle wurde unter anderem mit Geldern von einer deutschen Kirchgemeinde renoviert. Nur die verwüstete Kirche St. Yakup konnte noch nicht saniert werden. 2006 kehrten zwölf Familien in ihr Dorf zurück.





