Wie die reformierte Glarner Kirche ihre Zukunft an die Hand nimmt

Eine greifbare und menschennahe Kirche ist das Ziel des Projekts «Glarner Generationenkirche». Doch wann ist sie nah bei den Menschen? Erste Resultate einer Umfrage zeigen: Die Kirche ist bereits recht gut unterwegs.

Die Vizepräsidentin des Glarner Kirchenrates, Andrea Trümpy (links) und die Geschäftsführerin des Bergrestaurants Schwammhöhe, Gabriela Hösli. Bild: Assunta Chiarella

 

Die reformierte Glarner Kirche will sich neu positionieren, indem sie noch direkter auf Menschen zugeht und ihre Bedürfnisse und Interessen analysiert. Die Stärken der einzelnen Kirchgemeinden sowie die gemeinsame Basis sollen so herausgearbeitet werden.

Hierfür wurde das Projekt «Glarner Generationenkirche» ins Leben gerufen. Dieses ist von 2013 bis 2016 geplant und in vier Etappen aufgeteilt, zu denen die Synode jeweils ihre Zustimmung gibt. Die erste Etappe umfasst Zielgruppengespräche mit rund 222 Menschen im Alter von vier bis 76 Jahren.

Mit den Gesprächen, die in sieben Kirchgemeinden durchgeführt wurden, wollen die Verantwortlichen das traditionelle Bild der Kirche erweitern, wie Lisbeth Zogg von der externen Prozessleitung Cottier und Zogg erklärt: «Der Erfolg der Kirche wird zu einseitig an der Besucherzahl am Sonntag gemessen. Wir wollen erfahren, was die Menschen interessiert, was Glaube und Spiritualität ihnen bedeuten und welche kirchlichen Angebote sie nutzen.»

Begegnung auf Augenhöhe

Wie aus den Gesprächen hervorgeht, sind für viele die Zeiten längst vorbei, in denen die Kirche über das Volk bestimmte und teilweise auch Schuldgefühle generierte. «Die Menschen wählen ihren Bezug zur Kirche selber: nah, wohlwollend oder distanziert. Entsprechend suchen sie individuelle Ausdrucksformen für ihren Glauben in der Natur, mit Musik, in den Gottesdiensten sowie in der Geselligkeit. Daher braucht es verschiedene Zugänge», erläutert Theologin Zogg.

Des Weiteren resultiere aus der Umfrage, dass für viele Menschen die Kirche nach wie vor eine notwendige Institution sei: «In einer zunehmenden Leistungsgesellschaft steigt sowohl im Familien- wie auch im Berufsleben der Druck. Hier kann die Kirche eine Schlüsselrolle spielen, als Oase und Ort, wo man sich entspannen, besinnen, Kontakte und Gemeinschaften pflegen kann», betont Zogg.

Gottesdienste mit Jazzkonzerten

Andrea Trümpy gehört zu den rund 40 Freiwilligen, welche die Zielgruppengespräche anhand von Fragebögen geführt haben. Als Vizepräsidentin des Glarner Kirchenrates war sie von Anfang an in das Projekt involviert. Sie habe fünf Personen im Alter zwischen 20 und 72 Jahren aus Glarus und Riedern befragt: «Ich war über die positive Grundeinstellung gegenüber der reformierten Kirche überrascht. Die Leute sind im Grossen und Ganzen zufrieden», resümiert sie und fügt an: «Das bedeutet, dass sich die Kirche auf gutem Wege befindet.»

Ausserdem sei bei der Befragung auch die individuelle Gestaltung der Trauergottesdienste, Hochzeiten und Taufen gelobt worden. Lediglich jüngere Befragte würden einen abwechslungsreicheren Gottesdienst begrüssen, untermalt mit mehr Musik, wie etwa Jazzkonzerte oder auch Theateraufführungen.

Besonders erstaunt habe sie die Offenheit der Befragten in Bezug auf ihre Alltagsgebete: «Die einen zitieren die Bibel, andere verwenden vertraute Gebete oder je nach Situation auch eigene Worte.» Die Zielgruppengespräche hätten deutlich gezeigt, dass der Aufgabenbereich der Kirche ein breites Spektrum umfasse.

Ein Generationen-Mittagstisch

Auch Gabriela Hösli, Geschäftsführerin des Bergrestaurants Schwammhöhe, hat Zielgruppengespräche geführt und vier Frauen zwischen 28 und 64 Jahren aus Glarus befragt. Die Kirche gelte als wichtiger Begegnungs- und Austragungsort religiöser Zeremonien, erzählt Hösli. Entsprechend bestehe nach wie vor das Bedürfnis, den Bund des Lebens durch Gott zu besiegeln. Die befragten Frauen seien der Kirche gegenüber gut gesinnt, doch: «Ich denke, dass sowohl der Wohlstand wie auch etliche Veranstaltungen uns oft daran hindern, das Angebot der Kirche zu nutzen», fügt die Glarner Wirtin an.

Gemäss Hösli wird auch die Einführung eines Mittagstisches für einsame, einkommensschwache sowie ältere oder alleinerziehende Personen gewünscht, mit verwertbaren Nahrungsmitteln, die von Grossverteilern weggeworfen werden. Zudem sei für alleinerziehende Mütter eine Adressliste mit kompetenten Kinderhütediensten gewünscht worden.