Warum dürfen Reformierte nicht bei den Katholiken kommunizieren?

Kinder fragen, ein reformierter und ein katholischer Pfarrer antworten. Aus Anlass des Reformationsjubiläums beantworten zwei Konfessionsvertreter dieselben Kinderfragen zu Unterschieden zwischen Katholiken und Reformierten.

Hostien einer katholischen Eucharistiefeier. (Bild: Pixabay)

Die reformierte Antwort von Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster in Zürich:

«Was heisst eigentlich ‹kommunizieren›? Das ist ein seltsames Wort und hängt mit der ‹Kommunion› zusammen. Das wiederum ist ein lateinisches Wort und bedeutet, dass wir als Gemeinschaft etwas zusammen tun. Was tun Menschen in der Kirche gemeinsam? Sie beten, sie lauschen, sie hören gemeinsam. Und sie essen und trinken gemeinsam. Dabei erinnern sie sich an Jesus, wie er zusammen mit seinen Freundinnen und Freunden, zusammen mit seinen Jüngern oft gegessen hatte, auch mit Menschen, auf die man mit dem Zeigefinger gezeigt hat. Den wichtigen Männern in den Synagogen gefiel dies nicht.

Dann feierte er das letzte Abendmahl vor dem grossen jüdischen Feiertag zusammen mit seinen Jüngern, wie es die Tradition seines Glaubens ihn lehrte. Er nahm Brot und sagte: «Das ist mein Leib», er nahm den Kelch und sagte: «Das ist der Kelch des neuen Bundes. Das feiert auch so, wenn ich nicht mehr da bin.» Danach wurde er gefangen genommen und starb am folgenden Tag am Kreuz.

Deshalb feiern wir miteinander das Abendmahl, so sagen wir Reformierten, die Kommunion oder Eucharistie, so sagen es die Katholiken. Die wichtigen Männer in der katholischen Kirche sagen, dass diejenigen, die nicht in der Einheit mit katholischen Kirche sind, nicht Gäste sein dürfen. Dagegen halte ich, dass der Gastgeber ja nicht der Priester oder Pfarrer, sondern Jesus selber ist. Und auch in der Eucharistie beten die katholischen Schwestern und Brüder, dass das Abendmahl ein Geheimnis des Glaubens sei.

Deshalb bleibt es für katholische und reformierte Gäste ein Geheimnis, das ich nie verstehe. Wenn ich den Geschmack des Brotes auf der Zunge wahrnehme, dann spüre ich, nicht immer, doch oft, wie nah mir Gott ist. Ich habe schon viel in der katholischen Kirche das Brot und auch den Kelch bekommen. Und viele katholische Christen sind bei mir beim Abendmahl im Grossmünster.»

Die katholische Antwort von Christian Rutishauser, Priester und Provinzial der Schweizer Jesuiten:

«Reformierte und Katholiken haben verschiedene Formen von Gottesdiensten. Je wichtiger und offizieller ein Gottesdienst ist, desto mehr Regeln gibt es, wie man feiert. Normalerweise feiern die Reformierten am Sonntag einen Predigtgottesdienst. Für Katholiken ist die Eucharistiefeier der wichtigste Gottesdienst.

In der Eucharistie wird die Gemeinschaft gefeiert, die Gott schenkt. Alle Katholiken feiern, dass sie eine Kirche sind, die von den Bischöfen und vom Papst weltweit geleitet wird. Gemeinsam wird auf das Evangelium gehört, das der Pfarrer auslegt. Gemeinsam wird im Mahl gefeiert, dass sich Jesus Christus in Brot und Wein uns schenkt, dass er also da ist. Jesus hat ja beim letzten Abendmahl das Brot verteilt und gesagt: «Das ist mein Leib.» Und als er den Kelch mit Wein den Jüngern reichte, sagte er: «Das ist mein Blut.» Wer also zur Kommunion geht und die Hostie als Anteil von Christus empfängt, bildet mit allen andern Kommunizierenden zusammen den ganzen Leib Christi, nämlich die Kirche. Alle gehören sie zur gleichen Gemeinschaft, zusammen mit den Bischöfen und dem Papst. Reformierte Christen sollen nicht kommunizieren, weil sie nicht zur gleichen Kirche gehören.

Sie aber sagen: Auch wenn wir eine andere Kirche sind und das Abendmahl von Jesus anders verstehen, so sind wir doch alle getauft und mit Christus verbunden. Zudem hat Jesus alle Menschen zum Mahl eingeladen. So laden Reformierte auch Katholiken zum Abendmahl ein. Manchmal denken auch einzelne Katholiken so und sagen, dass die Gemeinschaft mit allen, die zusammen feiern, wichtiger ist als die Verbindung mit Bischöfen und Papst. Dann gibt es Auseinandersetzungen.» (kath.ch/Sylvia Stam)