Walliser Nonne spricht sich für Exit aus

Die mit dem «Prix Courage» 2009 ausgezeichnete Ordensfrau Marie-Rose Genoud hat sich zugunsten der begleiteten Sterbehilfe ausgesprochen. Damit versetzt sie die Walliser Katholiken in Aufregung


«Ich unterstütze alle Personen, die nach reiflicher Überlegung und mit klarem Verstand als letzten Ausweg eine tödliche Dosis wählen», sagte die 75-jährige Ordensfrau gegenüber der «Schweiz am Sonntag» am 6. Juli. Die Sterbehilfeorganisation Exit antworte mit ihren Diensten auf die legitime Nachfrage vieler Leute. Insofern unterstütze auch sie die Sterbehilfeorganisation.

Der Walliser Bischof Norbert Brunner erklärte über den Bischofsvikar gegenüber der Zeitung, dass die Lehre der katholischen Kirche zur Sterbehilfe klar sei. «Die Aussagen der Ordensfrau entsprechen nicht der Lehre der katholischen Kirche.» Man werde nun das Gespräch mit ihr suchen. Es gehe dabei um einen Gedankenaustausch und nicht um Sanktionen.

Auch die Schweizer Bischofskonferenz reagierte auf die Aussagen der Nonne: «Es ist eine neue Haltung in der Schweizer Kirche. Obwohl ich die Aussage nicht teile, zeigt sie, dass eine Debatte darüber auch innerhalb der Kirche notwendig ist», sagte Sprecher Simon Spengler gegenüber der Zeitung.

 

«Die Kiche sollte die gesellschaftlichen Tatsachen anerkennen»

Die Ursulinin Marie-Rose betonte gegenüber der Zeitung, dass sie ihre Kirche liebe. «Die Kirche soll ihre Haltung zur Gesellschaft kundtun. Aber sie sollte auch die gesellschaftlichen Tatsachen anerkennen, die Zeichen der Zeit sehen und vor allem anerkennen, dass der persönliche Wille zählt.» Gott sei für die Freiheit. Die Schwester selbst hatte das Thema in einem Leserbrief im «Le Nouvelliste» lanciert, welches sich inzwischen zur Debatte in der Westschweiz ausgeweitet hat.

Marie-Rose Genoud ist keine Unbekannte. Durch ihren jahrzehntelangen beharrlichen Kampf hat sie in Sitten die Behörden zum Einlenken bei der Rückgabe von Geldern für Asylsuchende gezwungen. Das Bundesgericht gab Schwester Marie-Rose Genoud in ihrem Kampf gegen die Behörden im März 2008 Recht. Die Klosterfrau hatte aufgedeckt, dass der Kanton erwerbstätige Asylbewerber unrechtmässig zur Rückstellung für «Rückzahlungen von Schulden» verpflichtet hatte. Vergangenes Jahr erklärte der Schweizer Theologe Hans Küng, dass er beabsichtige, die Dienste von Exit in Anspruch nehmen.