Verurteilung wegen «Pokémon Go»-Spiel in Kirche

Ein Blogger, der in einer Kirche «Pokémon Go» gespielt hatte, ist von einem russischen Gericht zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Mit seiner Aktion habe Ruslan Sokolowski religiöse Gefühle verletzt, begründete das Gericht in der Uralmetropole Jekaterinburg am Donnerstag das Urteil.

Video-Blogger Ruslan Sokolowski vor der Kirche in Jekaterinburg in welcher er Pokémons jagte. (Bild: Screenshot YouTube)

Die Anklage hatte dreieinhalb Jahre Lagerhaft beantragt. Sokolowski beteuerte seine Unschuld. Er hatte im Sommer 2016 einen Video-Clip ins Internet gestellt. Darin ist zu sehen, wie er in einer orthodoxen Kirche das Smartphone-Spiel «Pokémon Go» spielt. In dem Spiel wird auf echten Strassen und in Gebäuden nach virtuellen Figuren gesucht.

Menschenrechtler kritisierten Prozess

«Ich finde, das ist fast ein Freispruch», sagte Sokolowski. «Ich bin froh, dass ich in Freiheit bleibe.» Der 22-Jährige kündigte an, er werde nun für den Bürgermeister von Jekaterinburg, Jewgeni Rojsman, arbeiten. Rojsman hatte sich in dem Verfahren für Sokolowski eingesetzt. Menschenrechtler kritisierten den Prozess.

Sokolowski hatte sein «Pokémon»-Video in der Blut-Erlöser-Kathedrale, der grössten Kirche von Jekaterinburg, gedreht. An dem Ort der heutigen Kirche waren 1918 der letzte russische Zar Nikolaus II. sowie dessen Familie von Bolschewisten ermordet worden. (sda dpa)