Der Verband der US-Pfadfinder beschloss die Neuerung am Montag in einer Telefonkonferenz der landesweiten Führung, wie die Organisation mitteilte. Zuvor habe sich eine grosse Mehrheit im Führungsrat für den Kurs entschieden. Liberale Kräfte und die Organisation Scouts for Equality, die für die Neuerung kämpfte, begrüssten den Beschluss. Einige Religionsgemeinschaften, die eng mit den amerikanischen Pfadfindern zusammenarbeiten, reagierten ablehnend und kündigten weiteren Widerstand an.
Bisher wurden erwachsene schwule Betreuer, Gruppenleiter und Angestellte nicht geduldet. Diese alten Statuten drohten, das Image der mehr als 100 Jahre alten Bewegung zu beschädigen – auch angesichts von mehr Toleranz in der US- Gesellschaft.
Präsident Gates: Ab heute schauen wir nach vorn
«Im Zuge der sozialen, politischen und gesetzlichen Veränderungen in unserem Land sowie in unserer Bewegung hielt ich die (bisherigen) Richtlinien nicht mehr für tragbar», sagte der Pfadfinder-Präsident und ehemalige US- Verteidigungsminister Robert Gates. «Ab heute schauen die US-Pfadfinder als Organisation nach vorn und nicht nach hinten», schrieben die Scouts for Equality in einer Reaktion. «Dieses Thema hat uns viel zu lange gespalten und abgelenkt», sagte Gates weiter. Ehemalige Angestellte und freiwillige Betreuer hatten in der Vergangenheit etliche Prozesse angestrengt. Mit der Entscheidung, Schwule nun auch in der Führung zuzulassen, wolle die Pfadfinderorganisation weitere Schlagzeilen auf der nationalen Ebene vermeiden, meinten Zeitungskommentatoren. Die Pfadfinder hatten 2013 beschlossen, junge Homosexuelle als Mitglieder zuzulassen. Die Leitungspositionen blieben davon unberührt. Auch die Neuregelung lässt Ausnahmen zu: Untergruppen könnten selbst entscheiden, ob sie die Regeln für freiwillige Teamleiter anwenden, berichteten Medien.
Konzessionen an konservativ-kirchliche Gruppen
Damit kommt der Jugendverband konservativ-kirchlichen Gruppen entgegen, die die offene Haltung ablehnen, aber viel Geld geben. So liessen die Pfadfinder allerdings zu, dass Schwule teilweise weiter diskriminiert würden, entgegnete die Bürgerrechtsgruppe Human Rights Campaign, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt. Laut US-Medienberichten werden 70 Prozent der örtlichen Pfadfindergruppen von religiösen Gruppen getragen, von denen einige Homosexualität ablehnen. Die Mormonen-Kirche gab nach der Mitteilung des Beschlusses bekannt, sie wolle ihre Zusammenarbeit mit den Pfadfindern überprüfen. (sda/dpa)