Klima

Uno-Bericht: «Zeitalter globalen Wasserbankrotts» beginnt

Weltweit schrumpfen Seen, sinken Grundwasserspiegel und verschwinden Feuchtgebiete. Das sei keine vorübergehende Krise, warnen Uno-Experten. Fünf Fragen und Antworten.

Die Welt tritt laut einem neuen Uno-Bericht in ein «Zeitalter des globalen Wasserbankrotts» ein. Begriffe wie «Wasserknappheit» oder «Wasserkrise» spiegelten die Realität an vielen Orten nicht mehr wider, hiess es von der Universität der Vereinten Nationen in Kanada. Vielerorts gebe es inzwischen unumkehrbare Verluste bei Süsswasserreserven.

«Dieser Bericht vermittelt eine unbequeme Wahrheit: Viele Regionen leben über ihre hydrologischen Verhältnisse, und viele wichtige Wassersysteme sind bereits bankrott», sagte Hauptautor Kaveh Madani, Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität.

Viele Gesellschaften haben dem Bericht zufolge nicht nur ihr jährliches Kontingent an erneuerbarem Wasser aus Flüssen, Böden und Schneedecken überschritten, sondern auch ihre langfristigen Reserven an Grundwasser, Gletschern, Feuchtgebieten und anderen natürlichen Reservoirs aufgebraucht.

Was bedeutet der «Wasserbankrott» für die Menschheit?

Weltweit habe inzwischen eine kritische Menge von Wassersystemen irreversible Schwellenwerte überschritten, erklärte Madani. Die Landwirtschaft zum Beispiel sei für den grössten Teil des Trinkwasserverbrauchs verantwortlich – und die globalen Ernährungssysteme seien durch Handel und Preise eng miteinander verbunden. «Wenn Wasserknappheit die Landwirtschaft in einer Region untergräbt, wirken sich die Auswirkungen auf die globalen Märkte, die politische Stabilität und die Ernährungssicherheit in anderen Regionen aus.»

Wie kann Wasser knapp werden, obwohl die Erde voll davon ist?

Im Bericht geht es um die verfügbare und nutzbare Menge an Süsswasser auf dem Planeten. Vielfach überstiegen die Entnahmen die Neubildung. Und selbst dort, wo die Wassermengen stabil scheinen, schrumpfe der tatsächlich nutzbare Anteil. Zu den Ursachen zählten Grundwasserverschmutzung, Übernutzung von Ressourcen, Erosion von Land und Böden, Entwaldung und Umweltverschmutzung, noch verschärft durch die globale Erwärmung.

Wo ist die Lage besonders kritisch?

Rund drei Viertel der Menschheit leben dem Bericht zufolge in Ländern, die als wasserunsicher gelten. Zu den besonders betroffenen Regionen gehören demnach der Nahe Osten und Nordafrika, Teile Südasiens und der Südwesten der USA. Auch Europa ist wie andere Regionen, die selbst genügend verfügbares Wasser haben, über Handelsströme, Preise und Lieferketten vom Bankrott betroffen.

Bedeutet ein Bankrott das Ende?

«Eine Insolvenz zu erklären bedeutet nicht, aufzugeben – es bedeutet, neu anzufangen», betonte Madani. Indem der globale Wasserbankrott anerkannt werde, könnten endlich schwierige, wichtige Entscheidungen getroffen werden. «Je länger wir zögern, desto grösser wird das Defizit.»

Sich nur auf Trinkwasser, Sanitärversorgung und schrittweise Effizienzsteigerungen zu konzentrieren sei vielerorts nicht mehr zweckmässig, hiess es von der Uno-Universität. Priorität müsse für Regierungen haben, weitere irreversible Schäden wie den Verlust von Feuchtgebieten, Grundwasserverarmung und Verschmutzung zu verhindern. Wasserintensive Sektoren wie die Landwirtschaft müssten Anbau und Bewässerung umgestalten. (sda/ dst)

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