Das Ziel sei es, die Imame besser in die auf demokratischen Werten basierende Gesellschaft zu integrieren, sagte François Dermange, Professor für Ethik der Universität Genf. Die Weiterbildung umfasse vor allem Kurse in Französisch, Geschichte, Rechtswissenschaften und Ethik. Der Kanton Genf unterstützt das Projekt.
Nachfrage schwer abzuschätzen
Neben dem Unterricht durch Professoren der Universität Genf sind auch Gastredner wie der Tunesier Yadh Ben Achour vorgesehen, einem Experten für Islam-Fragen und öffentliches Recht. Er könne Zusammenhänge zwischen dem Koran und den Menschenrechten aufzeigen, sagte Dermange.
Die Anzahl der Kursteilnehmer lasse sich nicht abschätzen. Einige der muslimischen Gemeinschaften seien gut integriert, andere hingegen vollständig im Untergrund, sagte der Professor. «Wir wollen zeigen, dass man in einer Gesellschaft und nicht in einer Gemeinschaft lebt», sagte Dermange.
Gegen Vorurteile und Radikalisierung
Er erachtet die Weiterbildung auch als Antwort gegen die Radikalisierung. Zudem soll sie dazu beitragen, Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen. Die Weiterbildung sei keine Konkurrenz für das Zentrum für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg.
Die Ankündigung der Universität Genf erfolgt einen Tag, nachdem der Nationalrat einen Bericht zur Ausbildung von Imamen in Auftrag gegeben hat. Das Genfer Projekt sei aber keine komplette Ausbildung, sagte Dermange. Auf lange Sicht sei die Einführung einer solchen Ausbildung aber wünschenswert, fügte der Ethik-Professor an. (sda)