Unesco erklärt Altstadt von Hebron zum Weltkulturerbe

Die Uno-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) hat die Altstadt von Hebron zum Weltkulturerbe erklärt. Zudem wurde die Stadt im von Israel besetzten Westjordanland zu einer «gefährdeten» und «geschützten Zone» erklärt.

Die Abraham-Moschee in Hebron.

Die Entscheidung des Welterbekomitees in Krakau fiel am Freitag in geheimer Abstimmung mit zwölf Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen.

In Hebron leben mehr als 200’000 Palästinenser und einige hundert israelische Siedler. Dort befindet sich auch das Grabmal der Patriarchen, in dem nach biblischer Überlieferung unter anderem Abraham und Isaak begraben sind.

«Fake History»

In der von der Unesco getroffenen Entscheidung wird Hebron als «islamische» Stadt bezeichnet. In einer ersten Reaktion auf den Beschluss sprach das israelische Aussenministerium von einem «moralischen Schandfleck». Er warf der Unesco vor, die jüdische Geschichte der Stadt zu ignorieren.

«Die Unesco-Entscheidung zu Hebron und dem Grab der Patriarchen ist ein moralischer Schandfleck», erklärte Ministeriumssprecher Emmanuel Nahschon via Twitter. Er warf der Unesco «Fake History» (Geschichtsfälschung) vor und erklärte, sie sollte sich «schämen».

Palästinenser feiern

Die palästinensische Seite hingegen feierte die Entscheidung als einen Sieg ihrer Diplomatie. Das Abstimmungsergebnis sei ein «Erfolg in der diplomatischen Schlacht», die von den Palästinensern «an allen Fronten» geschlagen werde, um dem «israelischen und amerikanischen Druck» zu widerstehen, erklärte das palästinensische Aussenamt.

Abraham wird sowohl im Judentum als auch im Christentum und im Islam als Stammvater verehrt. Die Palästinenser setzten sich dafür ein, von der Unesco einen besonderen Schutzstatus für Hebron zugesprochen zu bekommen, weil sie zunehmende Zerstörungen in der Altstadt beklagen, die sie den israelischen Siedlern zur Last legen.

USA übt Kritik

Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, unterstützte laut der Zeitung «Frankfurter Allgemeine» die Kritik Israels. «Die Unesco-Abstimmung zu Hebron ist auf mehreren Ebenen tragisch», sagte Haley in der Nacht zum Samstag in New York. «Sie stellt einen Affront gegen die Geschichte dar. Sie untergräbt das Vertrauen, das für einen Erfolg der israelisch-palästinensischen Friedensgespräche gebraucht wird. Und sie bringt eine sowieso schon fragwürdige UN-Behörde weiter in Verruf.» (sda/bat)