Kriegsverbrechen verurteilen
Unter dem Eindruck des russischen Angriffs auf die Ukraine haben westliche Staaten bekräftigt, sich für eine konsequente Strafverfolgung von Kriegsverbrechern einzusetzen. Zu den 45 beteiligten Staaten gehörten neben Deutschland unter anderem die USA, Australien und Kanada.
Sie verpflichteten sich zum Abschluss einer Konferenz in Den Haag, mehr Geld und Experten zur Verfügung zu stellen und bei den Ermittlungen enger zusammen zu arbeiten. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, Karim Khan, sagte: «Ich hoffe, dass wir den Prozess beschleunigen können und den Opfern zeigen können: Das Recht ist nicht machtlos.»
Ermittlungen zu Butscha laufen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte die Einrichtung eines internationalen Tribunals zur Verfolgung von Kriegsverbrechen. «Wir brauchen ein Tribunal zur Verfolgung der russischen Aggression» sagte Selenskyi über eine Videoverbindung. Die verantwortlichen Politiker dürften ihrer Strafe nicht entkommen. Selenskyj forderte auch, dass Russland für den Schaden bezahlen müsse. Dafür sollten Besitz und Vermögen von Russen genutzt werden, die im Ausland beschlagnahmt worden seien.
Bereits schnell nach der russischen Invasion hatte es Berichte von Kriegsverbrechen gegeben. Frauen waren vergewaltigt worden, in den Strassen des Ortes Butscha waren Leichen von Zivilisten gefunden worden. Es gab auch zahlreiche Angriffe auf Theater, Schulen und Krankenhäuser. Das Weltstrafgericht hatte ungewöhnlich schnell reagiert und bereits Anfang März Ermittlungen eingeleitet und das bisher grösste Experten-Team ins Kriegsgebiet geschickt.
Nach Angaben der Generalstaatsanwältin der Ukraine, Iryna Wenediktowa, ermittelt die Justiz nun in 23 000 Fällen von mutmasslichen Kriegsverbrechen gegen Russen. Sechs Urteile seien gefällt worden, sagte sie. Dabei ging es um Fälle von Mord, Zerstörung von Häusern, Vergewaltigung und Plünderung. 127 Verdächtige seien identifiziert worden.
Spurensicherung und Beweissammlung gewährleisten
Präsident Selenskyj schilderte das Leiden der Bevölkerung. Täglich seien die Bürger Opfer von russischer Aggression und Gewalt, sagte er. Er nannte als ein Beispiel den Raketenangriff auf eine Stadt im Zentrum des Landes, bei dem etwa 20 Menschen getötet worden seien.
Das Weltstrafgericht hatte gemeinsam mit der EU-Kommission und den Niederlanden die Konferenz einberufen, um die Strafverfolgung von mutmasslichen Kriegsverbrechern in der Ukraine zu koordinieren. So geht es etwa um internationale Regeln für das Sichern von Spuren und Sammeln von Beweisen. Chefankläger Karim Khan betonte, dass das Recht keine zweitrangige Rolle spielen dürfe. «Das Recht kann kein Zuschauer sein.»
Das Weltstrafgericht mit Sitz in Den Haag ist ein sogenanntes Komplementär-Gericht. Es tritt erst dann ein, wenn die betroffenen Staaten dazu nicht in der Lage sind oder es ablehnen. Zwar sind weder Russland noch die Ukraine Vertragsstaat. Die Ukraine hatte aber die Zuständigkeit des Gerichts anerkannt.(epd/ jow)