Theologe sieht Parallelen von Fankultur und Gottesdienst

Das Fanverhalten in Fussballstadien hat nach Einschätzung des deutschen Theologen Constantin Klein viele Bezüge zu christlichen Ritualen. Die Wechselgesänge zwischen verschiedenen Akteuren seien jenen im Gottesdienst nicht unähnlich, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bielefeld.

Brasilianische und kroatische Fans während des Eröffungsspiels der Fussball-WM.
Brasilianische und kroatische Fans während des Eröffungsspiels der Fussball-WM. (Bild Wikimedia/Don Simon)

Klein äusserte sich positiv zu kirchlichen Angeboten in Stadien, skeptisch zeigte er sich hingegen mit Blick auf spezielle Gräberfelder für Fussballfans. Der Theologe erforscht an der Universität Bielefeld die Beziehungen zwischen Religion und Fussball.

Mit muslimischen Gebetsgesten oder dem christlichen Bekreuzigen brächten Spieler ihre Frömmigkeit bewusst auf dem Spielfeld zum Ausdruck, erklärte Klein. So nutzten einige Spieler den Fussball und ihre Prominenz, um für den eigenen Glauben zu werben. In diesen Fällen biete Fussball lediglich die Kulisse für die religiösen Äusserungen.

Anders sei es hingegen bei den Gefühlen kollektiver Begeisterung oder Gemeinschaftsritualen. «Auch wenn manches daran implizit an Religion erinnert: Hier geht es allein um den Fussball.»

Angebote wie die Kapelle im Gelsenkirchener Stadion begrüsste der Theologe und Psychologe als zeitgemäss. Dies seien unaufdringliche Einrichtungen an Orten, «wo viele Menschen einen wesentlichen Teil ihrer Zeit zubringen, ähnlich wie Kapellen an Autobahnen, in Flughäfen, Einkaufszentren oder Krankenhäusern». Mehr als 300 Trauungen und über 1000 Taufen seit der Einrichtung der Kapelle im Jahr 2001 seien Zahlen, «über die sich viele Kirchengemeinden freuen würden», sagte Klein.

Mit Blick auf Fussball-Gräberfelder äusserte der Forscher Verständnis dafür, dass Menschen gern an einem Ort begraben werden wollten, der ihnen im Leben viel bedeutet habe. Einen grundsätzlichen Trend hingegen würde er jedoch kritisch sehen. «Sich auf öffentlichen Friedhöfen demnächst danach ‚einsortieren‘ zu müssen, wer im Leben Fussballfan, Oldtimer-Liebhaber, Wagnerianer oder Philatelist gewesen ist, finde ich keine besonders befriedigende Vorstellung.»