Syriens kleinste Kinder kennen nur den Krieg

Der Bürgerkrieg in Syrien hat nach Angaben von Unicef Millionen Kinder ins Elend gestürzt. Insgesamt seien 14 Millionen Kinder von Krieg und Terror betroffen, 5,6 Millionen von ihnen müssten unter verzweifelten Bedingungen ausharren.

Zwei Kinder in Syrien in Decken gehüllt, die sie von einem Nothilfeprogramm erhalten haben.
Eben haben sie Decken aus einem Nothilfeprogramm erhalten: Kinder im Krieg in Syrien. (Bild: zVg/Unicef)

Zwei Millionen Kinder würden in Regionen leben, die von den Helfern kaum erreicht werden könnten. Weitere zwei Millionen würden als Flüchtlinge in Lagern in den Nachbarländern Syriens hausen, hiess es am Donnerstag vom Uno-Kinderhilfswerk Unicef in New York.

Das würde wiederum auch die Kinder in den Gastländern berühren. 3,6 Millionen von ihnen in Jordanien, Libanon und der Türkei würden unter den Folgen des Krieges im Nachbarland leiden.

«Für die kleinsten Kinder ist Krieg das einzige, was sie kennen», sagte Unicef-Chef Anthony Lake. «Die Heranwachsenden, deren prägende Jahre gerade vor ihnen liegen, sind nicht nur traumatisiert durch die Vergangenheit, Gewalt und Leid haben auch ihre Zukunft geprägt.» Syrien laufe Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren.

Familien und Kinder in Gefahr

Terre des hommes (Tdh) ist eines der Hilfswerke, das die Situation der Kinder und Familien verbessern möchte. Dennoch muss sich Tdh eingestehen, dass die Situation der Schwächsten der Gesellschaft sich immer mehr verschlechtert und immer weniger Mittel zu Verfügung stehen.

Laut Tdh-Angaben werden täglich 9500 Syrer umgesiedelt. Das entspreche einer Familie pro Minute. Laut dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge sind 3,8 Millionen Syrer in Nachbarländer geflohen, davon sind die Hälfte Kinder.

2014 habe Tdh sich in sieben Zentren im Norden Jordaniens um rund 8000 Kinder gekümmert. Dies sagt Sylvain Fournier Tdh-Koordinator in Jordanien. Er ist seit Juli letzten Jahres vor Ort.

In diesen Zentren können die Kinder lernen, ihren Gefühlen Ausdruck zu geben und mit Stress umzugehen. Geschultes Personal biete den Kindern dazu  verschieden Hilfsmittel an: «Spiel, Sport, Musik und Zeichnen helfen den Kindern», sagt Fournier. Dennoch hätten viele Kinder keinen Zugang zu Hilfsangeboten.

Vielen Kinder fehlt die Schulbildung

Das Hilfswerk setzt sich auch für die Schulbildung der Kinder ein, sei dies in jordanischen Schulen oder Programmen der internationalen Hilfswerke. Rund 40 Prozent der Kinder haben laut Tdh keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. «Sie wohnen zu weit weg oder arbeiten, um die Familie zu ernähren. Zudem hat es in vielen Klassen keinen Platz für noch mehr Schüler», sagt Fournier.

Belastend für die Gesellschaft sei, dass die syrischen Flüchtlinge in Jordanien nicht arbeiten könnten, sagt Fournier. Insgesamt sei in Jordanien von rund einer Million Flüchtlingen auszugehen, die unter schwierigen Bedingungen ausserhalb von Flüchtlingscamps wohnen. Ressourcenmangel belaste das Verhältnis  zwischen der lokalen Bevölkerung und den Flüchtlingen.

Das Tdh-Hilfsprogramm in Jordanien beläuft sich auf eine Million Franken jährlich. «Es ist jedoch immer schwieriger, Gelder zu bekommen. Zudem ist die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Organisationen gross. Einige unserer Projekt sind nur für sechs Monaten finanziert», sagt Fournier. Was danach geschehe, wisse man nicht. (sda)