Studie verzeichnet mehr religiöse Feindseligkeiten

Das angesehene US-Forschungsinstitut Pew Forum verzeichnet weltweit einen starken Anstieg von gesellschaftlichen Benachteiligungen mit religiösem Bezug. Nahezu drei Viertel der Weltbevölkerung (74 Prozent) leben aktuell in einem Land mit hohen Werten religiöser Übergriffe, Benachteiligungen oder Spannungen.


Noch 2011 seien lediglich Länder mit der Hälfte der Weltbevölkerung so eingestuft worden, heisst es in der am 14. Januar veröffentlichten Untersuchung.

Der Pew-Bericht «Religiöse Feindseligkeiten auf Sechs-Jahres-Hoch» erfasst nach eigenen Angaben sowohl gesellschaftliche Übergriffe als auch staatliche Einschränkungen der Religionsfreiheit. «Sehr hohe Werte» werden demnach für die Länder der ehemaligen Sowjetunion, viele Länder Südostasiens mit dem Indischen Subkontinent sowie Teile des Nahen Ostens und mehrere Staaten Ostafrikas verzeichnet.

Aber auch für Deutschland, Frankreich, Grossbritannien oder Italien werden die Werte als «hoch» eingestuft. In Deutschland werden etwa Einschränkungen beim Tragen religiöser Symbole oder die aktive staatliche Unterdrückung mindestens einer religiösen Minderheit beanstandet. In vergleichbaren US-Studien ist damit in der Regel die Scientology-Organisation gemeint.

Muslime nahe hinter Christen
Laut Erhebung des Pew Forum liegen Muslime bei der weltweiten Diskriminierung oder Verfolgung zahlenmässig nahe hinter den Christen, die bei anderen Studien zumeist im Mittelpunkt stünden. Gleichwohl seien Christen die Glaubensgemeinschaft, die in mehr Ländern benachteiligt oder verfolgt werde als alle anderen.

Als wichtigste Gründe für den starken Anstieg der Befunde nennt das Institut wachsende Diskriminierung religiöser Minderheiten (in 47 Prozent der untersuchten Staaten), Gewalt oder Drohungen mit dem Ziel, dass religiöse Normen befolgt werden (39 Prozent), Drangsalierung von Frauen wegen angeblich unpassender Bekleidung (32 Prozent), religiöse Ausschreitungen (25 Prozent) und Terrorismus im Namen von Religion (20 Prozent).

Staatlicher Druck auf religiöse Gruppen
Insgesamt gibt es gemäss der Pew-Studie in 43 Prozent der 198 untersuchten Staaten «hohe» oder «sehr hohe» Einschränkungen der Religionsfreiheit. «Hohe» oder «sehr hohe» staatliche Eingriffe seien in 29 Prozent der Staaten zu verzeichnen; dieser Wert sei ähnlich hoch wie 2011. Allerdings gebe es einen starken Anstieg bei Fällen von staatlichem Druck auf einzelne religiöse Gruppen (48 Prozent der Länder) und bei der Einschränkung öffentlicher Predigten (38 Prozent). Dies gelte vor allem für einige sehr bevölkerungsreiche Länder.

Das Pew Forum benennt elf Staaten mit starkem Anstieg bei gesellschaftlicher Feindseligkeit, darunter Mali, Libyen und Mexiko. Zu den Ländern mit den grössten gesellschaftlichen und staatlichen Einschränkungen der Religionsfreiheit gehören demnach Ägypten, Indonesien, Russland, Pakistan und Birma. Für Ägypten und Pakistan wird ausdrücklich auf wachsende Übergriffe auf Christen verwiesen.

Christen und Muslime als die nach absoluten Zahlen am häufigsten beeinträchtigten Religionsgemeinschaften stellten allerdings auch gemeinsam rund die Hälfte der Weltbevölkerung, merkt das Forschungsinstitut an. Juden dagegen stellen nur rund ein Prozent der Weltbevölkerung, hätten aber 2012 in mindestens 71 erfassten Staaten religiöse Übergriffe oder Diskriminierung erlitten.