Studie: Nur die Hälfte der Schweizer Konfirmanden glaubt an Gott

Die Aussicht auf ein grosses Fest und Geschenke sind die Hauptmotivation, weshalb reformierte Jugendliche sich konfirmieren lassen. An Gott glaube jedoch nur die Hälfte der Befragten.

Fragebogen für Konfirmanden (Cover des Buches «Konfirmationsarbeit im Kanton Zürich», TVZ-Verlag).
Fragebogen für Konfirmanden (Cover des Buches «Konfirmationsarbeit im Kanton Zürich», TVZ-Verlag). (Bild: TVZ)

Dies zeigt die erste gesamtschweizerische Konfirmanden-Studie, die an der Universität Zürich erstellt wurde und deren Resultate die «Neue Zürcher Zeitung» am 25. September präsentiert. Nebst Fest und Geschenken werde auch «Spass in der Gemeinschaft» als wichtiges Motiv genannt, schreibt die NZZ, weshalb Konfirmandenlager besonders beliebt seien.

Dennoch attestiere die Studie den Jugendlichen eine gewisse Religiosität: 51 Prozent der Konfirmanden sagten, sie glaubten an einen Gott, jedoch nur 37 Prozent an die Auferstehung Jesu. Dass die Welt von Gott erschaffen sei, glaubt nur noch ein Drittel, während 60 Prozent gar nie über religiöse Fragen nachdenke. Immerhin bete jeder siebte Konfirmand oft, so die NZZ.

Konfirmation als logische Konsequenz der Taufe

Trotz dieser zwiespältigen Haltung lasse sich nach wie vor ein Grossteil der reformierten Jugendlichen konfirmieren. Sie sähen darin eine logische Konsequenz der eigenen Taufe. Entsprechend wollten 80 Prozent der Jugendlichen auch ihre eigenen Kinder taufen lassen.

Auch wenn die Hälfte der Konfirmanden finde, die Inhalte des Konfirmationsunterrichts hätten kaum etwas mit ihrem Alltag zu tun, falle ihr Urteil über das Konfirmationsjahr insgesamt positiv aus: Über 80 Prozent gäben an, «eine gute Zeit» gehabt zu haben.

Professionalisierte Konfirmationsarbeit gefordert

«Die Mehrheit nimmt den Unterricht mit Interesse, aber auch mit einer distanzierten Coolness wahr», sagte Thomas Schlag, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich und Mitautor der Studie, gegenüber der NZZ. Der Theologe sieht den «Fortbestand des reformierten Christseins» in der Schweiz durch die Studie nicht bedroht. Er fordert dennoch eine Professionalisierung der Konfirmationsarbeit, etwa durch bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Pfarrpersonen.

Schlag und seine Doktorandin Muriel Koch haben im Herbst 2012 7200 Konfirmanden aus allen Landesteilen befragt, im Frühling 2013 nahmen 6450 davon an einer zweiten Befragungsrunde teil. Ein Grossteil der rund 130 Fragen stammte aus einer gleichzeitig durchgeführten europäischen Studie. Ebenfalls interviewt wurden knapp 800 kirchliche Mitarbeiter. (kipa)