Stadtmissionen: Soziales Engagement seit über 150 Jahren

Stadtmissionen gibt es in mehreren Schweizer Städten. Es sind diakonische Werke, die sich auf religiöser Basis sozial engagieren. Die evangelische Stadtmission Zürich feierte kürzlich ihr 150-Jahr-Jubiläum und bietet nun eine spezielle Führung an.


Die Stadtmissionen waren in allen Kantonen Sache der konservativen Kirchenvertreter, wie aus dem 2011 erschienenen Buch «Mission und Diakonie – Die Geschichte der evangelischen Gesellschaft des Kantons Zürich» hervorgeht. Heute gibt es Stadtmissionen in Basel, Bern, Chur, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich.

Die Zürcher Stadtmission entstand 1862, wenige Jahre nach der Gründung von jener in Basel (1859). Schon zuvor gab es in mehreren Schweizer Städten Stadtmissionen. Sie betrieben «innere Mission», das heisst, die Missionare reisten nicht nach Asien oder Afrika, um dort «Heiden» zum Christentum zu bekehren. Sie kümmerten sich hier um Arme und Kranke, um zerrüttete Familien und Menschen mit Problemen, die sich meist nicht gross um religiöse Fragen kümmerten. Sie sollten auf einen gottgefälligen Weg gebracht werden.

Führungen durch das Zürcher Niederdorf
Zum 150-Jahr-Jubiläum bietet die Stadtmission Zürich Führungen an. Unter dem von Bertolt Brecht entliehenen Titel «Erst kommt das Fressen, dann die Moral» geht es anderthalb Stunden lang durch das Niederdorf, das einstige Armenhaus Zürichs, wie Geschäftsführerin Regula Rother sagt.

Themen sind unter anderem die einstigen «Tabakläden» – mit Hinterzimmer, wo Prostituierte ihre Dienste anboten. So liess sich das damalige Bordellverbot in Zürich umgehen. Immer wieder werden auch Verbindungen zur Gegenwart geknüpft.

Die erste öfftliche Führung «Erst kommt das Fressen, dann die Moral» findet am 23. Juli um 18 Uhr statt. Der Rundgang beginnt an der Torgasse 9 in Zürich (vor dem Restaurant Weisse Rose, Nähe Bellevue) und endet an der Häringstrasse 20, wo sich auch das Café Yucca befindet. Der Rundgang dauert knapp zwei Stunden. Die Kosten betragen 20 Franken inkl. Umtrunk im Café Yucca.