Stadt St. Gallen geht mit «Zeitvorsorge» neue Wege

In der Stadt St. Gallen sollen rüstige Rentner betagten Menschen im Alltag helfen. Sie erhalten dafür Zeitgutschriften, die sie später bei Bedarf in Form von Betreuung zurückerhalten. Am Montag wurde das Projekt «Zeitvorsorge» gestartet.


St. Gallen ist schweizweit Pionierin in der kommunalen Zeitvorsorge, wie Stadtrat Nino Cozzio an einer Medienkonferenz sagte. An der neu gegründeten Stiftung sind neben der Stadt das kantonale Amt für Soziales, die reformierten und katholischen Kirchgemeinden der Stadt, die Pro Senectute, die Spitex, das Rote Kreuz und die Frauenzentrale beteiligt.

Ab sofort können sich Personen aus der Stadt, die pensioniert oder mindestens 60 Jahre alt sind, als «Zeitvorsorger» melden. Sie helfen dann betagten Menschen im Alltag, beispielsweise beim Einkaufen oder Kochen, begleiten sie auf Spaziergänge oder leisten ihnen beim Essen Gesellschaft.

Maximal 750 Stunden Guthaben
Die Stiftung Zeitvorsorge und die beteiligten Institutionen vermitteln die Einsätze und führen die Buchhaltung. Den Betreuern werden die geleisteten Stunden auf einem persönlichen Zeit-Konto gutgeschrieben. Guthaben von bis zu 750 Stunden können so angespart werden.

Später, wenn die Betreuenden selber einmal im Alltag Hilfe brauchen, haben sie Anspruch auf ebenso viele Stunden Betreuung. Pflegerische und medizinische Leistungen sind von der Zeitvorsorge ausgeschlossen – denn dazu braucht es ausgebildetes Fachpersonal. Auch für die Betreuung von Ehepartnern gibt es keine Zeitgutschriften.

Die Verantwortlichen erwarten, dass sich in der Stadt etwa 300 Personen als Zeitvorsorger registrieren lassen. Weil am Anfang noch niemand über Zeitgutschriften verfügt, werden solche gratis an Hilfsbedürftige zugeteilt. Informationen gibt es auf der Homepage www.zeitvorsorge.ch.