Evangelischer Kirchenbund ortet «kirchliche Kommunikation auf Kurs»

Die Sommer-AV des SEK diskutierte am 19. und 20. Juni über die Bündelung der Kommunikation der reformierten Landeskirchen. Diese soll nun in die Tat umgesetzt werden. Daneben kam es an der diesjährigen Sommer-Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes zu Neuwahlen sowie dem Impuls zu mehr ökumenischem Engagement.

Gut 60 Abgeordnete der Mitgliederkirchen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes tagten am 19. und 20. Juni 2017 im Rathaus Bern. (Bild: zVg)

Lange hakte es, doch nun scheint der erste Schritt hin zu einer neuen Kommunikationsstrategie der Reformierten auf gutem Weg. Der spätere Montagnachmittag sowie der Dienstagmorgen der diesjährigen AV stand im Zeichen der kirchlichen Kommunikation. SEK-Ratsmitglied Ulrich Knoepfel (GL) stellte den Delegierten zum dritten Mal das Papier zur «Bündelung der Kommunikation»  vor. In der Winter-AV im November 2016 hatten die Delegierten die damaligen Version des Berichts zwar zur Kenntnis genommen, jedoch lediglich als «Zwischenbericht». Sie forderten weitere Konkretisierungen bezüglich Vorgehens und inhaltlicher Ausrichtung. Der Rat SEK hatte Frank Worbs, der die Leitung der Kommunikation der Kantonskirche Aargau innehat, mit der Überarbeitung beauftragt. Knoepfel würdigte diesen dritten Bericht nun als «konkreter» und mahnte dabei an, es sei nun an der «Zeit, sich an die Umsetzung zu machen.»

SEK übernimmt aktivere Rolle in der kirchlichen Kommunikation

Der vorliegende Bericht  versucht mittels Beispielen zu veranschaulichen, wie Kommunikation auf drei Ebenen – national, kantonal und auf Gemeindebene ineinandergreifen soll. Kurzgefasst, so Knoepfel, solle die Themensetzung national erfolgen, mit den Kantonalkirchen abstimmt und im Leben der Kirchgemeinden spürbar werden. Der SEK übernehme damit klar eine «aktivere Rolle als bisher». Zentral seien dabei die Schaffung einer gemeinsamen Identität, im Sinne von «innerer Verbundenheit» sowie die «äussere Wahrnehmung». Konkret schlägt der Bericht die Publikation einer gemeinsamen Kirchenzeitung für Kirchennahe vor. Neu definiert der Bericht zudem das Arbeitsfeld «Gemeinschaft und Events».

Thomas Grossenbacher von der Geschäftsprüfungskommission lobte die «erkennbare Konkretisierung». Die Umsetzung und Massnahmen seien beschrieben, wenn auch etwas vage. Seiner Meinung nach sei der SEK mit seiner neuen Kommunikationsstrategie «auf Kurs».

Diskussion statt Kenntnisnahme gewünscht

In der anschliessenden Diskussion äusserten mehrere Delegierte ihr Bedauern, dass der Bericht lediglich «zur Kenntnisnahme» vorgelegt werde. Pia Grossholz-Fahrni etwa (BE) beklagte, dass dies eine inhaltliche Diskussion der einzelnen Punkte verhindere: «Bitte präsentiert uns nie mehr Berichte zur Kenntnisnahme», wandte sie sich an den Rat.

Heinz Fischer (ZG) bat den SEK-Rat, in der Kommunikation nun das Heft in die Hand zu nehmen und aktiver zu werden. Martin Stingelin (BL) würdigte die grundsätzlich gute Weiterentwicklung des Berichts. Auch er kam aufgrund einiger Unklarheiten im Bericht, die nun nicht mehr geändert werden könnten, jedoch zum Schluss: «Nur eine Kenntnisnahme reicht dazu nicht.» Mit der Diskussion wurde der Bericht zur Kenntnis genommen.

Ruth Pfister-Murbach neu im SEK-Rat

Zu den weiteren Geschäften der diesjährigen AV gehörte die Wahl eines neuen Ratsmitglieds für die verbleibende Amtsdauer 2015-2018.  Als Nachfolge-Ratsmitglied von Peter Schmid (BL), der per Ende Jahr zurücktritt, traten drei Kandidierende an: Pfarrer Pierre-Philippe Blaser (FR), Kirchenrätin Ruth Pfister-Murbach (TG) sowie Pfarrer Martin Schmidt (SG).  Im zweiten Wahlgang wurde Ruth Pfister-Murbach in den SEK-Rat gewählt. Sie bedankte sich für die Wahl und beteuerte, sich für eine «lebendige, attraktive und gehaltvolle Kirche» einzusetzen.

Michel Müller neuer AV-Vizepräsident

Des weiteren wurde der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller mit 59 Stimmen zum Vizepräsidenten der Abgeordnetenversammlung gewählt. Michel Müller ist Kirchenratspräsident der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Bisher war er als Delegierter der Zürcher Kirchensynode in der AV des SEK. 1999 bis 2011 vertrat er in der Zürcher Synode den Synodalverein. Als neue Mitglieder der Nominationskommission der AV wurden Andrea Trümpy, Vize-Präsidentin des Kantonalen Kirchenrates Kanton Glarus sowie Koni Bruderer, Pfarrer in Heiden (AR) gewählt; letzterer übernimmt das Präsidium der AV-Kommission.

Ratspräsident Gottfried Locher mahnt vor «toxischen Stimmen» in der Kirche

Im Anschluss an die Neuwahlen hielt Ratspräsident Gottfried Locher hielt seine Ansprache an die Abgeordneten kurz. Er dankte dabei allen, die bei den Feierlichkeiten «500 Jahre Reformation» mitwirkten. Er wünschte den Reformierten für ihr Weiterbestehen das Festhalten am «Geist der Einheit»,  an der «Glaubensgewissheit», und am gegenseitigen «Goodwill» – es habe in einer Zeit der Neuorientierung der Kirche keinen Raum für «toxische Stimmen». Vielmehr gehe es darum, konstruktiv an einer Kirche der Zukunft zu arbeiten.

«Healing of memories»

Um die Zukunft der Kirche – und der Ökumene – ging es auch im Postulat des Zürcher Delegierten Michel Müller und seiner Mitunterzeichnenden Thomas Grossenbacher, Lukas Maurer und Theddy Probst (alle ZH). Sie luden den Rat SEK in dem Postulat «Healing of memories» dazu ein, den ökumenischen Prozess, der im Reformationsjahr 2017 aufgenommen wurde, weiterzuführen. Am 1. April 2017 feierten die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz einen gemeinsamen Gottesdienst in Zug, um 600 Jahre Bruder Klaus und 500 Jahre Reformation zusammen zu feiern. Die Postulanten wollen diesen Akt nicht als Endpunkt, sondern als «Auftakt einer Annäherung und eines Versöhnungsprozesses» verstanden wissen.  Dieser Prozess solle auf allen Ebenen, also national, kantonal sowie in einzelnen Kirchgemeinden und Pfarrereien angestossen werden. Den Namen «Healing of memories» erhielt das Postulat in Anlehnung an die Versöhnungsarbeit im Südafrika der Nach-Apartheitszeit.

Im Namen des Rats nahm Präsident Gottfried Locher das Postulat zur Kenntnis und bekräftigte die Absicht des Rats SEK, sich auf eine Vertiefung der Ökumene einzulassen.