Schüler auf den Spuren der Reformation

Mit Mönchen über die Reformation diskutieren, einmal selbst im Chorgericht sitzen oder auf einer Druckerpresse eine Seite drucken: Ein Erlebnistag des Instituts zur Ausbildung von Lehrpersonen NMS bringt Schülerinnen und Schülern in Bern die Reformation näher. Vor allem die vielen Kirchen in der Stadt kommen bei den Kindern gut an, sagt Projektleiterin Elisabeth Stuck.

Projektleiterin Elisabeth Stuck, hier auf der Münsterplattform, freut sich über die grosse Resonanz des Erlebnistages.
Projektleiterin Elisabeth Stuck, hier auf der Münsterplattform, freut sich über die grosse Resonanz des Erlebnistages. (Bild: zVg)

Frau Stuck, mit Ihrem Angebot sprechen Sie Schülerinnen und Schüler des 5. bis 7. Schuljahrs an. Warum gerade diese Altersklasse?
Uns ist aufgefallen, dass es unter den vielen Angeboten des Reformationsjubiläums kaum etwas für die Altersklasse der Elf- bis Dreizehnjährigen gab. Insofern schlossen wir eine Lücke. Das Besondere am Erlebnistag ist aber auch, dass er sich sowohl an Schulklassen wie auch an Gruppen des kirchlichen Unterrichts richtet. Rund zwei Drittel der Angemeldeten sind Klassen des kirchlichen Unterrichts.

Wie bringt man Elfjährigen die Reformation näher?
Unser geführter Rundgang in Bern besteht aus vier einstündigen Posten. An allen Stationen werden die Schüler aktiv einbezogen. Der Tag beginnt mit einem Schauspiel in der Französischen Kirche. Die Schülerinnen treten ins Kloster ein und müssen dabei ihre Wertsachen abgeben. Danach erleben sie, wie zwei Mönche in einen Streit über die Reformation geraten. Wir versuchen, die Vergangenheit in die Nähe der Kinder zu rücken, zum Beispiel durch zwei Theaterstücke, Videos und Bildmaterial. Aber wir dürfen nicht vergessen: es sind Kinder. So schrieb ein Mädchen beim Feedback, ihr hätten die Spatzen auf dem Münsterplatz sehr gut gefallen.

Im Rathaus, das sie auch besuchen, müssen die Schülerinnen sogar auf die Anklagebank…
Genau. Im Rathaus geht es um die Machtverschiebung von der Kirche zum Staat im Zuge der Reformation. Wir haben uns überlegt, wie wir dieses Thema Kindern vermitteln können, die noch keine Staatskunde hatten. Sie werden hier in einem Rollenspiel unter Anleitung eines Schauspielers zu Angeklagten vor dem Berner Chorgericht.

Auch die Medienrevolution, die durch den Buchdruck ausgelöst wurde, thematisieren Sie auf dem Erlebnistag.
Ja, im Atelier «Schreiben, Drucken, Posten». Die Schüler können hier mit Lettern arbeiten und auf einer Presse eine Seite drucken. Zudem haben sie die Möglichkeit, zum Vergleich eine Postkarte und Posts in den Sozialen Medien zu schreiben.

Die meisten können das doch sicher schon?
Es geht hier nicht ums Können. Wir wollen den Schülerinnen einen Eindruck von den unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Kommunikationsformen geben. Sie sollen so anschaulich erfahren, dass damals eine ähnliche Medienrevolution stattgefunden hat wie in den letzten Jahrzehnten.

Über 20 Klassen haben den Erlebnistag bereits absolviert. Wie sind die Reaktionen?
Wir haben die Schülerinnen und Schüler gebeten, ihre Eindrücke aufzuschreiben. Die Rückmeldungen sind sehr gut. Die Theaterspiele in der Französischen Kirche und im Rathaus und das Druckatelier kommen besonders gut an. Aber auch das Münster und überhaupt die vielen Kirchen in Bern finden die Kinder sehr eindrücklich.