ref.ch: Wie sind Sie im Abstimmungskampf vorgegangen?
Frieder Tramer: Wir waren nicht sicher, ob wir mit all den Details der Vorlage eine Nein-Kampagne lancieren könnten. Mit der relativ aggressiven Parole «Nein zum Raubbau an der Volkskirche» stellten wir schliesslich eine Grundsatzfrage: «Wie gross ist der Rückhalt der Volkskirche im Kanton?» Das war riskant und zunächst auch im Komitee umstritten. Der Schuss hätte nach hinten losgehen können und dann hätte es geheissen, die Kirche hätte keinen Rückhalt im Volk. Wären wir jedoch zurückhaltender gewesen, hätte das als Schwäche ausgelegt werden können, und die Gefahr war gross, dass in den nächsten Jahren weitere Kürzungsanträge kommen.
Wie haben Sie den Abstimmungskampf erlebt?
Die Kampagne hat viel Echo ausgelöst. Auch Parteien, deren Mitglieder sich zum Teil zum Atheismus bekennen, unterstützen unser Anliegen und würdigten damit das Engagement der Kirche in sozialen Fragen. Die Bedrohung durch die Vorlage hat viele Solidaritätsbekundungen ausgelöst, die wir auf der Kampagnen-Website veröffentlicht haben. Wir sind vor allem zufrieden, weil die Kampagne sehr erfolgreich war. Viele Leute engagierten sich für die Kirche und machten deutlich, dass sie ihnen wichtig ist.
Könnte Ihre Kampagne auch den Kirchen in Zürich und Graubünden als Vorbild dienen?
Da bin ich vorsichtig. Die Verhältnisse in den einzelnen Kantonen sind unterschiedlich. Bei uns war die grosse Schwierigkeit, dass die Initiative vom Regierungsrat ausging, der bei der Kirche grosse Einsparungen vornehmen wollte. Ich würde mich nicht auf die Äste hinauslassen und für die Bündner und die Zürcher Empfehlungen abgeben.
Auf der Kampagnen-Website bekennen sich die Kirchen zum «Sparwillen». Was bedeutet das konkret?
Wir sind bereit im Rahmen des geplanten Entlastungssparprogramms des Kantons unseren Sparbeitrag zu leisten. Unsere Nein-Kampagne wurde kritisiert, weil wir ursprünglich einer Reduktion um 400‘000 Franken zugestimmt hatten. Die Streichung des Teuerungsausgleichs, wie es die Vorlage wollte, wäre jedoch über die signalisierte Bereitschaft hinausgegangen. Wie es weiter geht, steht noch nicht fest, wahrscheinlich wird der Regierungsrat wieder auf uns zukommen.
Hintergrund:«Schaffhausen wird Beiträge an Landeskirchen nicht kürzen»