Russland

Orthodoxe Kirche will Exorzismus regeln

Teufelsaustreibungen kommen in Russland immer wieder vor. Wegen Missbrauchsfällen will die russisch-orthodoxe Kirche klarer festlegen, wer Exorzismus praktizieren darf.

Die russisch-orthodoxe Kirche will in einem Dokument festhalten, was sie unter Austreibung böser Geister versteht. Einen Entwurf dieses Papiers veröffentlichte die Kirchenleitung, das Patriarchat, am Donnerstag in Moskau. So heisst es etwa darin, dass nur ein Bischof oder ein ausdrücklich befugter Geistlicher Exorzismus ausüben dürfe. Zudem sei es unzulässig, diese Personen für das Abhalten des festgelegten Ritus zu entlöhnen.

Aus dem Dokument lässt sich herauslesen, wie offenbar auf volkskirchlicher Ebene in Russland teilweise Exorzismus praktiziert wird. So sei es ein Missbrauch, wenn Exorzismus unbefugt oder aus Gewinnsucht betrieben werde. Es gehe nicht an, massenhafte Geisteraustreibungen vor Publikum vorzunehmen, diese zu fotografieren oder zu filmen und das Material auch noch zu veröffentlichen.

Die Kirchenleitung stellte klar, dass psychisch Kranke, Alkohol- oder Drogensüchtige nicht besessen seien und nicht exorzistisch behandelt werden dürften. «Es ist falsch zu sagen, dass ein besessener Mensch sündiger ist als andere», hiess es. Ob eine Geisteraustreibung klappe oder nicht, sei Gottes Wille – das Ergebnis müsse «mit der gebotenen Demut und Dankbarkeit gegen Gott» hingenommen werden.

Unter Exorzismus (griechisch: exorkismós = das Hinausbeschwören) verstehen viele Religionen die rituelle Vertreibung böser Mächte oder Geister aus Menschen, Tieren oder Gegenständen. In der katholischen Kirche war der Exorzismus von angeblich Besessenen im Mittelalter weit verbreitet. Heute unterliegt der Ritus strengen Auflagen. (sda/hz)