Reformierte TG: Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare möglich

Die evangelische Thurgauer Synode diskutierte am 23. und 24. August die neue Kirchenordnung. Taufe und Abendmahl bleiben Pfarrern vorbehalten, Stellvertretungen bei Gottesdiensten, Trauungen und Abdankungen stehen auch Diakonen offen. Die neue Kirchenordnung erlaubt zudem Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare.


Wie die evangelische Kirche am 27. August mitteilte, diskutierte die Synode, welche heiligen und kirchlichen Handlungen neben Pfarrern auch von ordinierten Diakonen vollzogen werden dürfen. Nachdem der Antrag, ordinierte Diakone sollten «stellvertretungsweise» auch Taufen ausführen können, mit einer Stimme Unterschied abgelehnt worden sei, scheiterte in der Folge auch der Antrag, dass Diakone «stellvertretungsweise» Abendmahlsfeiern leiten dürften. Unbestritten sei dagegen gewesen, dass ordinierte Diakone im Sinn einer Stellvertretung Trauungen und Abdankungen vornehmen dürfen. Nach der bisherigen Ordnung bestanden diese Möglichkeiten nur für die eigene Kirchgemeinde.

Mit der Formulierung, dass in den Gottesdiensten traditionelles und popularmusikalisches Liedgut gepflegt werde, stünden zudem neuere, popularmusikalische Kirchenlieder nun gleichwertig neben dem traditionellen Kirchengesang.

Eingehend habe die Synode im weiteren über die Anforderungen diskutiert, die an Taufpaten gestellt werden sollten. Sie entschied sich dazu, dass mindestens ein Taufpate oder eine Taufpatin einer «christlichen Kirche» angehören müsse. Bis jetzt galt diese Bestimmung für alle Taufpaten. Die Pfarrer in der Synode vertraten die Ansicht, dass sich die vorgeschlagene neue Regelung in der Praxis wohl durchsetzen lasse.

Eine kontroverse Diskussion hätte schliesslich ein Antrag ausgelöst, mit dem festgehalten werden sollte, dass es sich beim Ehebund explizit um eine Verbindung von «Mann und Frau» handle. Kirchenratspräsident Wilfried Bührer erklärte, dass die Trauung auf eine Beziehung zwischen Mann und Frau beschränkt sei, weil als Voraussetzung die vorherige zivilrechtliche Eheschliessung verlangt werde. Eingetragene Partnerschaften von gleichgeschlechtlichen Paaren erfüllten die Voraussetzung der zivilrechtlichen «Eheschliessung» nicht. Das würde sich erst dann ändern, wenn der Staat den Begriff der «Ehe» auch auf Partnerschaften von gleichgeschlechtlichen Paaren ausdehnen würde. Die Synode sei dem Antrag von Kirchenrat und vorberatender Kommission gefolgt und habe sich gegen die explizite Erwähnung von «Mann und Frau» ausgesprochen. 

Die neue Kirchenordnung sehe in einem Paragraphen in einer allgemeinen Formulierung vor, dass aus «Anlass bedeutender lebensgeschichtlicher Ereignisse» auf Wunsch gottesdienstliche Handlungen oder Segensfeiern durchgeführt werden können. Aufgrund der von der Synode beschlossenen allgemeinen Formulierung sei es möglich, dass gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft mit einer Segensfeier verbinden können. Auch bei anderen wichtigen Ereignissen wie zum Beispiel beim Eintritt ins Pensionsalter könne eine Segensfeier stattfinden. Ein Anspruch darauf bestehe jedoch nicht.