Röstigraben in der EKS

Präsident der Liturgie-Kommission tritt aus Protest zurück

Didier Halter hat seine Demission als Co-Präsident der Liturgie-Kommission der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) bekannt gegeben. Seinen Schritt begründet der Walliser mit der Nicht-Wahl von Isabelle Graesslé – und einer «gläsernen Decke» für Romands.

Rücktritte aus kirchlichen Kommissionen werden in der Regel nicht den Medien kommuniziert und von ihnen auch selten aufgegriffen. In diesem Fall ist das anders: Didier Halter informierte am 13. November verschiedene Redaktionen über seine Demission als Co-Präsident der Liturgie-Kommission der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) per Ende Jahr. «Ich wollte diesen Rücktritt öffentlich machen, weil das Unbehagen, das die Nicht-Wahl einer französischsprachigen Frau an die Spitze der EKS verursacht hat, nicht nur persönlicher Natur ist», schreibt Halter dazu.

Zur Erinnerung: Die Synodalen der EKS hatten für die Nachfolge von Gottfried Locher, der im Frühling zurückgetreten war, zwei Frauen zur Auswahl. Bei der virtuellen Versammlung vom 2. November setzte sich die Zürcher Kandidatin Rita Famos dann aber klar gegen die Waadtländerin Isabelle Graesslé durch (ref.ch berichtete). Dies obwohl mehrere Sprecherinnen eingeräumt hatten, dass eine Präsidentin aus der Romandie nach 35 Jahren deutschschweizer Dominanz durchaus ihre Berechtigung hätte.

Rückzug der Romands?

Halter sieht darin eine Bestätigung, dass es für Westschweizer in der EKS eine «gläserne Decke» gebe, wie aus seinem Rücktrittsschreiben hervorgeht. Viele Dinge würden entschieden, ohne dass sie ins Boot geholt würden – mehr noch, ohne dass überhaupt darüber nachgedacht werde, wie sie ins Boot zu holen wären. Dieser schon seit Jahren andauernde Zustand habe dazu geführt, dass sich die Romands nach und nach aus der Institution zurückgezogen hätten.

Gegenüber ref.ch sagt Halter, dass er auf seinen Rücktritt zwei Reaktionen aus der Westschweiz bekommen habe: Die einen würden ihm in seiner Analyse zustimmen. Die anderen seien der Frage gegenüber schlicht gleichgültig. «Wenn den Reformierten der Romandie die Ereignisse in der EKS egal sind, weil sie sie ohnehin für eine Sache der Deutschschweiz halten, dann spricht das auch eine deutliche Sprache.»

Halter betont, dass sein Schritt nichts mit der Liturgie-Kommission zu tun habe, deren Mitglieder immer sehr engagiert gearbeitet hätten. Der Rücktritt sei unumgänglich, da er nicht länger ein «westschweizer Alibi» für die EKS sein wolle. Er habe sich nun 15 Jahre für die überregionale Zusammenarbeit engagiert, etwa als Walliser Synodalratspräsident oder Präsident der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes. Mit der Nicht-Wahl von Graesslé sei es nun genug. «Ich glaube nicht mehr daran, dass die EKS glaubwürdig eine Gemeinschaft unter den Mitgliedkirchen lebendig werden lassen kann.»

«Schlag ins Gesicht des Föderalismus»

Ganz ähnlich hatte sich auch schon Michel Kocher geäussert, Direktor des Medienhauses der französischsprachigen Kirchen in der Romandie, Médias-Pro. Auf seinem Blog schrieb er kurz nach der Wahl von Rita Famos, diese sei eine Entscheidung der Deutschschweizer gewesen, um «an der Macht zu bleiben» und nach der Krise um Gottfried Locher so gut wie möglich wieder in die Spur zu kommen.

Famos habe offenbar mit ihrer Dossierkenntnis, ihrem Format und ihrem persönlichen Netzwerk den tief erschütterten Kirchen Sicherheit vermitteln können. Ihre Wahl verkenne jedoch die Tatsache, dass die Vorwürfe gegen Gottfried Locher und dessen Rücktritt in der Romandie kaum Echo ausgelöst hätten. «Von hier aus gesehen ist die ‹Locher-Krise› eine bedauerliche Episode einer Institution, die von den Protestanten der Westschweiz bereits weit entfernt ist.» Insgesamt sei Famos' Wahl daher «ein Schlag ins Gesicht des Föderalismus», so Kocher.

Rita Famos wiederum hat nach ihrer Wahl in mehreren Interviews Bereitschaft signalisiert, das Gespräch mit den Westschweizer Kirchen suchen zu wollen. (vbu)