Prachtvolle Reliquienhüllen in der Riggisberger Abegg-Stiftung

Leibliche Überreste von Heiligen gehörten im Mittelalter zu den wertvollsten Schätzen einer Kirche. Dementsprechend waren sie meist in kostbare Stoffe gehüllt. Die Riggisberger Abegg Stiftung zeigt in ihrer neuen Ausstellung solche prachtvolle Reliquienhüllen.


Historische Textilien  Die Gewebe waren Hülle und Zier von Heiligenleibern, Knochen oder Gegenständen, mit denen die Heiligen in Berührung gekommen waren. Als handfeste Zeugnisse des Glaubens waren Reliquien vor allem im Mittelalter hoch geschätzt. Oft waren die verehrten Gegenstände in Stoffe gewickelt oder die Schreine, in denen sie aufbewahrt wurden, waren mit Stoffen ausgeschlagen und verziert. Auch Gewänder von Heiligen wurden zu Reliquien und überdauerten – sorgsam verwahrt- die Jahrhunderte.

Luxuriöse Seidenstoffe
Ein Höhepunkt der Riggisberger Ausstellung sind mittelalterliche Stoffe aus dem Reliquienschrein des Heiligen Godehard, Bischof von Hildesheim, wie die Abegg Stiftung mitteilte. Godehard starb im Jahr 1038 und wurde fast hundert Jahre später heiliggesprochen. Daraufhin wurde sein Grab geöffnet und dessen Inhalt in einen vergoldeten, mit Edelsteinen besetzten Schrein überführt. 2009 wurde dieser Schrein im Zuge von Konservierungsarbeiten geöffnet. Zum Vorschein kamen unter andere, Knochen und Gewandfragmente. Alle Bestandteile waren in mehrere textile Hüllen gewickelt. Die mittelalterlichen Stoffe wurden im Textilkonservierungsatelier der Stiftung restauriert und sind nun erstmals öffentlich zu sehen. Auch aus Hildesheim stammt das Messegewand des Heiligen Bernward, genäht aus einem luxuriösen byzantinischen Seidengewebe. Es gehört nach Angaben der Stiftung zu den kostbarsten Gewändern des frühen 11. Jahrhunderts.


Gewebe aus dem frühen 6. Jahrhundert

Aus der Abtei von Saint-Maurice im Wallis sind Textilien aus dem Kopfreliquiar des Heiligen Candidus zu sehen. Der frühchristliche Märtyrer wurde der Legende nach um das Jahr 302 als Angehöriger der Thebäischen Legion bei Saint-Maurice hingerichtet. Im 12. Jahrhundert stellte man für seinen Schädel ein kostbares Behältnis her. Bei der Restaurierung im Jahr 1961 fand man in seinem Inneren nicht nur Schädelteile, sondern auch eine blaue Seidenkappe und Dutzende verschnürte Stoffpäckchen. Die ältesten Gewebe stammen aus dem frühen 6. Jahrhundert, der Gründungszeit der Abtei von Saint-Maurice. Auch die Stoffe aus dem Candidus-Reliquiar werden erstmals öffentlich gezeigt.

Die Sonderausstellung in Riggisberg dauert vom 27. April bis am 9. November 2014. Nach der Ausstellung kehren die Textilien wieder nach Deutschland und ins Wallis zurück. Die Abegg Stiftung ist ein Zentrum zur Erforschung und Konservierung von historischen Textilien. Ihre Textilsammlung geniesst Weltruf. Gegründet wurde die Stiftung vom Schweizer Textilindustriellen Werner Abegg und seiner Frau Margaret.


Die Ausstellung in der Abegg-Stiftung ist täglich von 14. bis 17.30 Uhr geöffnet.