Vatikan
Papst Franziskus ist tot
«Heute Morgen um 7.35 Uhr ist der Bischof von Rom, Franziskus in das Haus des Vaters zurückgekehrt», hiess es in der Mitteilung des Vatikans. «Sein ganzes Leben war dem Dienst des Herrn und seiner Kirche gewidmet.» Franziskus stand länger als ein Jahrzehnt an der Spitze von etwa 1,4 Milliarden Katholiken in aller Welt. Zudem war er Bischof von Rom und Staatsoberhaupt des Vatikans.
Der gebürtige Argentinier – mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio – war seit März 2013 im Amt. Damals wurde er nach dem überraschenden Rücktritt des deutschen Papstes Benedikt XVI. zum Nachfolger gewählt, als erster Nichteuropäer seit mehr als 1200 Jahren. Lange Zeit hatte Franziskus im Vatikan den emeritierten Papst noch an seiner Seite: Benedikt XVI. – mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger – starb 2022 mit 95 Jahren.
In der Mitteillung des Vatikans wird der Papst mit den Worten gewürdigt: «Er hat uns gelehrt, die Werte des Evangeliums mit Treue, Mut und universeller Liebe zu leben, insbesondere für die Ärmsten und Ausgegrenzten. In grosser Dankbarkeit für sein Beispiel als wahrer Jünger des Herrn Jesus empfehlen wir die Seele von Papst Franziskus der unendlichen, barmherzigen Liebe Gottes, des Einen und des Dreifaltigen.»
Nahe bei den Menschen
«Hochachtung vor dem Mut dieses Kirchendieners» bekundet Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) auf Anfrage von ref.ch. Das Pontifikat von Papst Franziskus sei geprägt gewesen von «Aufbruch und Hoffnung», heisst es in einer Stellungnahme.
«Seine zugängliche Art, nahe bei den Menschen, hat der Kirche ein freundliches Gesicht gegeben. Unter ihm wurde die Weltsynode, an der die unterschiedlichsten Strömungen am Tisch sassen, möglich. Frauen wurden in leitende Ämter befördert. Nicht mehr tragbare Kirchenfunktionäre wurden entlassen.»
Zudem habe sein Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, für soziale Gerechtigkeit sowie seine klare Position zu Fragen von Migration und Armut das Bild der katholischen Kirche in den letzten Jahre geprägt, so Famos.
Allerdings habe der Papst nicht alle Hoffnungen einlösen können. «So warten die Frauen immer noch auf die Weihe, eine echte Beteiligung, wie sie der Weg zur Weltsynode zunächst versprach, wurde unter ihm noch nicht möglich. Und für uns Protestanten ist das ökumenische Ringen immer noch festgefahren in den dogmatischen Streitigkeiten um das Kirchenverständnis und den Primat.»
Konklave wählt neuen Papst
Demnächst steht in der Sixtinischen Kapelle in Rom nun wieder ein Konklave an. Auf diese Weise bestimmt die katholische Kirche mit ihrer mehr als zwei Jahrtausende alten Geschichte den nächsten Papst. Wahlberechtigt sind Kardinäle aus aller Welt, solange sie das 80. Lebensjahr nicht vollendet haben.
Franziskus' Nachfolger wird der 267. Pontifex sein. Zuvor gibt es nach katholischem Brauch eine neuntägige Trauerzeit, die sogenannte Novendiale. Zur Beisetzung werden Staatsgäste aus aller Welt erwartet.
Franziskus war seit längerer Zeit angeschlagen: Im Sommer 2021 musste er sich am Darm operieren lassen. Zudem machte ihm ein Knieleiden zu schaffen, weshalb er bei öffentlichen Terminen meist im Rollstuhl sass. 2023 wurde er schon einmal wegen einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt. Einige Wochen später wurde er unter Vollnarkose am offenen Bauch operiert.
Auch in diesem Frühjahr hatte der Papst wegen einer Lungenentzündung längere Zeit im Spital gelegen. Am Ostersonntag hatte er noch vor Zehntausenden Gläubigen den Segen Urbi et Orbi gesprochen. Dabei wirkte er bereits geschwächt. (sda/ dpa/ no)