«Unsere Welt, die durch so viele Spaltungen zerrissen ist, die die Verwundbarsten treffen, fleht um Einheit», sagte Papst Franziskus im Gebet mit Vertretern des Ökumenischen Rats der Kirchen bei seinem Besuch in Genf am 21. Juni.
Der Besuch stand im Zeichen des 70-jährigen Bestehens des Rates. Er vereint in fast 350 Kirchen mehr als 500 Millionen Christen weltweit, darunter Anglikaner, Baptisten, Lutheraner, Methodisten sowie orthodoxe und reformierte Kirchen. Die römisch-katholische Kirche mit 1,3 Milliarden Mitgliedern gehört nicht dazu.
«Unsere Unterschiede dürfen keine Ausrede sein, unser Weg hat ein klares Ziel: die Einheit», sagte der Papst. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit, sagte bei der Begrüssung des Papstes: «Dies ist ein Tag, den viele Menschen in aller Welt herbeigesehnt haben und für den sie gebetet haben.» Im Vorfeld des Treffens sprach Tveit von einem «historischen Meilenstein im Streben nach der Einheit der Christenheit».
Tango zur Begrüssung
Papst Franziskus wirkte bei der Ankunft zunächst erschöpft. Ohne zu winken kam er aus dem Flugzeug und stieg langsam die Treppe hinab. Mit gesenktem Kopf hörte er die Nationalhymen an. Selbst als die Schweizer Armee für den Argentinier einen flotten Tango anstimmte, zeigte er wenig Regung. Papst Franziskus wird im Dezember 82. Es war die 23. Auslandsreise seiner fünfjährigen Amtszeit.
Papst Franziskus wurde bei seiner Ankunft von Bundespräsident Alain Berset, Bundesrat Ignazio Cassis, Nationalratspräsident Dominique de Buman sowie einer Delegation der Genfer Behörden empfangen. Im Zentrum des offiziellen Gesprächs des Bundespräsidenten mit dem Papst standen Friedensförderung, humanitäre Fragen und die Menschenrechte, wie Berset im Anschluss per Twitter mitteilte.
Beide Seiten würdigten die ausgezeichneten bilateralen Beziehungen. Sie unterstrichen die Notwendigkeit einer solidarischen, gesamteuropäischen Flüchtlingspolitik, wie Bersets Innendepartement bekanntgab.
Messe als Höhepunkt
Nach dem Austausch mit dem Ökumenischen Rat zelebriert der Papst gegen 17.30 Uhr in den Palexpo-Hallen eine Messe. Die 41’000 Plätze für die Gläubigen waren im Nu vergeben. Für die insgesamt erwarteten 50’000 Besucherinnen und Besucher setzen die SBB neun Extrazüge ein.
Die Papstmesse wird in der Stadt Genf auf Grossbildschirmen übertragen. Zudem lässt sich die Eucharistiefeier vor dem Fernseher live auf SRF, RTS und RSI verfolgen. Um 20 Uhr findet der Papstbesuch in Genf sein Ende, Papst Franziskus fliegt wieder Richtung Rom ab.
Die Messe ist ein Grossanlass mit grossem Organisations-, Logistik- und Sicherheitsaufwand. Die Kosten werden sich nach Angaben der Diözese Lausanne, Genf und Freiburg auf rund zwei Millionen Franken belaufen.
Johannes Paul II. war vor 14 Jahren der letzte Papst, der die Schweiz besuchte. Der Pole nahm 2004 am ersten katholischen Jugendtreffen in Bern teil und zelebrierte eine Messe vor fast 70’000 Menschen. (sda/bat)