Ökumene-Pionierin soll seliggesprochen werden

Die Gründerin der katholischen Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, ist auf dem Weg zur Seligsprechung. Der Prozess startet am nächsten Dienstag im Dom von Frascati mit einer Gottesdienstfeier. Lubich gilt als Pionierin des ökumenischen und interreligiösen Dialogs.

(Bild: focolare.org)

Die aus Trient stammende Chiara Lubich (1920-2008) war eine der grossen spirituellen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Die von ihr geprägte «Spiritualität der Einheit» machte Lubich zu einer Pionierin des ökumenischen und des interreligiösen Dialogs. Geboren wurde Chiara Lubich am 22. Jänner 1920 in Trient. Ihren Taufnamen Silvia ersetzte sie 1943 durch Chiara, als sie sich dem dritten Orden der Franziskaner anschloss. Schon in der Familie war Chiara Lubich mit der Auseinandersetzung zwischen Christentum und Marxismus konfrontiert: Ihre Mutter war überzeugte Christin, ihr Vater Sozialist, ihr Bruder war Partisan und später Redaktor bei der kommunistischen Zeitung «L’Unita’».

Evangelium und Gespräch mit anderen Christen im Zentrum

Chiara Lubich war zunächst ab 1938 Volksschullehrerin. Sie unterrichtete in verschiedenen Trentiner Dörfern und begann an der Universität Venedig das Studium der Philosophie. Eine Beendigung des Studiums war wegen des Krieges nicht möglich. Während der Bombennächte von Trient im Jahr 1943 bildete sie mit gleichaltrigen jungen Frauen die erste Fokolar-Gruppe (der Begriff «focolare» bezeichnet den offenen Herd in norditalienischen Bauernhäusern, der als Zentrum des Hauses auch eine hohe emotionale Bedeutung hat).

Die Fokolar-Bewegung wurde im Lauf der Jahrzehnte zu einem der wichtigsten «movimenti» (Bewegungen), die für die kirchliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte charakteristisch sind. Die Besinnung auf das Evangelium ist bei der Fokolar-Bewegung untrennbar mit der Offenheit für das Gespräch mit anderen Christen, mit den Bekennern anderer Religionen und mit Nichtglaubenden verbunden. Für ihr Werk wurde Chiara Lubich mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so mit dem Templeton-Preis 1977, dem UNESCO-Preis für Friedenserziehung 1996 und dem Menschenrechtspreis des Europarates 1998.

Lubich starb am 14. März 2008 in Rocca di Papa bei Rom. Die von ihr gegründete Fokolar-Bewegung zählt nach eigenen Angaben heute 120’000 Mitglieder und rund 1,5 Millionen Freunde und Anhänger in 194 Ländern. Eine weitere Million würden durch Veranstaltungen und in deren Zentren der Gemeinschaft erreicht. Der Bewegung gehören neben Katholiken auch Christen anderen Konfessionen und Angehörige anderer Religionen an. (kath.ch)