NZZ, Tages-Anzeiger und Landbote lehnen Kirchensteuer-Initiative ab

Die drei grossen Tages-Zeitungen im Kanton Zürich lehnen die am Sonntag zur Abstimmung kommende Kirchensteuer-Initiative ab.


Wie der Tages-Anzeiger in der Ausgabe vom 15. Mai schreibt, hätten die Initianten und Befürworter zwar «viel Logik auf ihrer Seite», könne eine Aktiengesellschaft keine Taufe empfangen, brauche keine Sakramente und könne weder in eine Religionsgemeinschaft ein- noch daraus austreten. Zudem garantiere die Verfassung Religionsfreiheit und schütze auch vor dem Zwang, Geld an Religionsgemeinschaften zu zahlen. All diese Argumente «leuchten ein», schreibt der Tages-Anzeiger in einem Leitartikel, trotzdem seien sie «zu kurz gedacht». So dürfe das Geld, welche der Staat von juristischen Personen für die Kirche eintreibt, einzig für soziale Zwecke und den Unterhalt von «kulturell oft bedeutender religiöser Bauten» verwendet werden. Aufgaben also, für die der Staat bei einer Annahme der Initiative aufkommen müsste. Weiter weist die Zeitung auf die historische Rolle des Glaubens in der Gesellschaft hin. Religion gehöre zum Gewebe der Gesellschaft. Reisse man diesen Faden heraus, «riskiert man ein Ausfransen – zum Schaden aller.»

«Naiver» Glaube der Befürworter der Kirchensteuer-Initiative
Im Landbote-Leitartikel vom 8. Mai stellt die Zeitung die Leistungen der Kirchen und den wirtschaftlichen Nutzen für die Allgemeinheit ins Zentrum ihrer Argumentation und titelt: «Die Kirchen sind von Nutzen für den Staat». Würden die Kirchen bei einem Ja zur Initiative mit jährlich gut 100 Millionen Franken weniger auskommen müssen, wäre der Staat «in vielen Fällen gezwungen, in die Bresche zu springen», was wiederum mit Mehrkosten verbunden wäre, weil kaum jemand für den Staat Freiwilligenarbeit leisten würde. Den Glauben der Initianten, Firmen würden kirchliche Projekte freiwillig finanzieren, tut die Zeitung als «naiv» ab. Unterstützt würden dann allenfalls prestigeträchtige Angebote oder solche, von denen sich eine Firma direkt etwas versprechen würde, schreibt die Zeitung. Unspektakuläre, «aber wertvolle Kleinprojekte gerieten unter die Räder».

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt am 10. Mai, die Kirchensteuer-Initiative abzulehnen.