«NZZ Geschichte» über die Protestanten: eine Kritik

Das neuste Heft der Reihe «NZZ Geschichte» widmet sich schwerpunktmässig den Protestanten in der Schweiz. Es liest sich gut, allerdings hätte man etwas mehr erwartet.

Das Cover der Reihe «NZZ Geschichte» zu den Folgen der Reformation in der Schweiz.
Das Cover von «NZZ Geschichte» zu den Folgen der Reformation in der Schweiz. (Bild: ref.ch)

«Wir Protestanten – wie die Reformation die Schweiz reich gemacht hat» lautet der Titel der zweiten Nummer der Reihe «NZZ Geschichte», erschienen am 9. Juli. Das Titelblatt verspricht einiges, was aber nicht ganz eingehalten wird.

Zwar beschreibt Redaktor Martin Beglinger im Hauptbeitrag durchaus interessant und gut lesbar, wie sich die protestantische Arbeitshaltung auf die ökonomische Entwicklung der Schweiz auswirkte. Insbesondere, wie die katholische Schweiz am wirtschaftlichen Aufschwung während der Industrialisierung weder teilnehmen konnte noch wollte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg legten die Katholiken ihre antimoderne Haltung ab und überflügelten die Protestanten teilweise, die selber zur Speerspitze der ökologischen Wirtschaftskritik geworden waren.

Wo bleibt Thomas Maissen?

Kennern der Schweizer Geschichte ist das allerdings nicht neu. Auch die beiden kurzen Beiträge über das Arbeitsethos von Alfred Escher und den Alltag in der bikonfessionellen Stadt Baden bringen nicht wesentlich mehr Substanz oder Erkenntnis über die Reformation in der Schweiz. Man hätte in einer Monatspublikation aus dem Hause NZZ doch etwas mehr erwartet: mehr Vertiefung, mehr Fachleute (zum Beispiel den Haushistoriker und Reformationskenner Thomas Maissen) und auch mehr Überraschendes.

Thomas Hürlimann kramt im Familienalbum

Originell und überraschend ist dafür Thomas Hürlimanns Kramen in eigenen Familienalbum für «NZZ Geschichte». Zwar ist die Zuger Familie Hürlimann katholisch. In den Familienbildern rund um Thomas‘ Vater, den späteren Bundesrat Hans Hürlimann, blitzt aber immer wieder kurzweilig-lakonisch die Abgrenzung zu den Protestanten auf. Hans Hürlimann, genannt der «Tiger», war beispielsweise der erste katholische Kommandant des Gebirgs-Infanterie-Regiments 29. «Die protestantischen Kolonisatoren waren besiegt», resümiert Thomas Hürlimann.

 

«NZZ Geschichte» gibt es am Kiosk für 18 Franken.