Nationalfonds: Sterbehilfe-Organisationen kritisieren Forschungsprojekt

Unwissenschaftlich, voreingenommen und voller katholischer Moral: Die fünf Schweizer Sterbehilfe-Organisationen üben harsche Kritik an einem Forschungsprogramm des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Sie fordern, dass «Lebensende NFP67» neu aufgegleist wird.


Bisher haben sich Exit Romandie, Exit Deutsche Schweiz, Dignitas, Ex International und Lifecircle noch nie für ein Projekt zusammengetan. Am 25. April sind die Organisationen erstmals gemeinsam vor die Medien getreten, um ihrer Empörung über ein Forschungsprojekt des Bundes Ausdruck zu verleihen.

«Lebensende NFP67» wurde 2010 vom Bund in Auftrag gegeben und soll das Sterben in der Schweiz untersuchen. Mit den Ergebnissen soll die «letzte Lebensphase humaner gestaltet werden», wie der SNF auf seiner Website schreibt. Insgesamt kosten die 30 einzelnen Projekte 15 Millionen Franken.

Die fünf Organisationen haben ihre Mitarbeit nun aber bis auf weiteres beendet, wie sie vor den Medien mitteilten. Das Thema Sterbehilfe werde völlig unwissenschaftlich behandelt. Die Ausgangslage für die Forschung strotze vor moralisch-theologischen Ansichten.

So werde beispielsweise die Sterbehilfe stets als «umstritten» bezeichnet, obwohl ihre Akzeptanz in der Bevölkerung gross sei. Zudem werde Sterben «als Prozess des persönlichen Wachstums» verstanden, was sehr lebensschützerisch töne. Das Forschungsprojekt sei eine Mogelpackung, um das Thema Sterbehilfe wieder auf die politische Traktandenliste zu bringen, so die Organisationen.

Woher der weltanschauliche Anstrich des Projektes kommt, ist für die Organisationen klar: vom Präsidenten des Forschungsprogrammes, Markus Zimmermann-Acklin, einem katholischen Theologen. Im Leitungsgremium sitzt zudem die Juristin Brigitte Tag von der Universität Zürich, die sich schon verschiedentlich kritisch über die Sterbehilfe äusserte.

Die Sterbehilfe-Organisationen fordern deshalb, dass die Leitung des Forschungsprogramms neu besetzt wird und die Ausführung der Projekte neu aufgegleist wird. SP-Nationalrat Andreas Gross reichte im Nationalrat bereits eine entsprechende Anfrage ein.

Beim SNF weist man die Vorwürfe der Unwissenschaftlichkeit und Voreingenommenheit entschieden zurück. Wie SNF-Sprecher Ori Schipper auf Anfrage der sda sagte, stimmt bei «Lebensende» die wissenschaftliche Qualität. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass der Leiter aus ideologischen Gründen Einfluss auf die Arbeit nehme.

Die Vorwürfe seien dem SNF seit Dezember 2012 bekannt. «Wir haben ein Gespräch angeboten. Bis jetzt sind die Sterbehilfe-Organisationen aber nicht darauf eingestiegen.» Der SNF hofft, dass dies noch der Fall sein wird. Ohne ihre Mitarbeit könnte ein Teilprojekt nicht realisiert werden.