Nächste Runde im Streit um Nationalhymne

Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) ermittelte vor Jahren in einem Wettbewerb einen neuen Text für die Nationalhyme. Dagegen lief der christlich-konservative «Neue Rütlibund» Sturm. In einer Postkartenaktion wirbt er nun für den alten Schweizerpsalm. Doch auch die Gegenseite ist nicht untätig - mit prominenter reformierter Unterstützung.

Eine Nation auf der Suche nach ihrer Hymne: Noch ist offen, welche Version sich durchsetzen wird.
Eine Nation auf der Suche nach ihrer Hymne: Noch ist offen, welche Version sich durchsetzen wird. (Bild: Pixabay)

Die ersten Worte der neuen Variante für die Nationalhymne lauten «Weisses Kreuz auf rotem Grund». Die SGG hat diesen Vorschlag in einem Wettbewerb ermittelt. Der «Rütlibund», der sich gemäss eigener Angabe für den Erhalt der christlichen Werte in der Schweiz einsetzt, will den Schweizerpsalm beibehalten, der mit den Worten beginnt: «Trittst im Morgenrot daher».

Der Psalm wurde 1841 vom Zisterziensermönch des Klosters Wettingen, Alberik Zwyssig, zu einem Text von Leonhard Widmer komponiert. Aus der Sicht des «Rütlibundes» verbindet der Text in seiner Bildsprache und Entstehungsgeschichte «Gegensätze der Schweiz und betont die Liebe zu Gott, Heimat und Vaterland».

Mit Unterstützung von Bruder Klaus

Nun wirbt der «Rütlibund» mit einer Postkartenaktion dafür, dass der Psalm auch an diesem 1. August gesungen wird. Auf der Postkarte ist neben der ersten Strophe des Psalms das bekannte Bruder-Klaus-Lied «Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir», abgedruckt.

Den Nationalheiligen nennt der «Rütlibund» eine wichtige Identifikationsfigur für die Schweiz. Dessen tiefer Gottesbezug finde im Schweizer Psalm eine Entsprechung. Die Vereinigung möchte ihre Postkarten möglichst breit streuen. Unterstützung erhält sie dabei vom christlich-traditionalistischen Verein «Helvetia Christiana».

Auch reformierte Prominenz stellt sich hinter neue Hymne

Doch auch die Gegenseite rüstet auf. Rund 70 Prominente stellen sich hinter die neue Hymne der SGG. Zu diesen gehören die alt Bundesrätinnen Eveline Widmer-Schlumpf, Ruth Metzler und Ruth Dreifuss sowie alt Bundesrat Moritz Leuenberger. Auch von kirchlicher Seite sind Personen in ein Unterstützungskomitee eingestiegen, so der Grossmünster-Pfarrer aus Zürich, Christoph Sigrist.

Die Präsidentin von Caritas Schweiz, Mariangela Wallimann-Bornatico, und der alt Bundesrichter Giusep Nay gehören ebenfalls zum Komitee, wie SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger auf Anfrage erklärte. Ferner Emil Steinberger, die Opernsängerin Noëmi Nadelmann oder Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher. Mit von der Partie ist zudem der Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, Beat W. Zemp, der den neuen Text «für sehr gut lernbar» ansieht, so dass er auch von Primarschülern gesungen werden könne.

Hohe Kosten

Bislang stiess der neue Text allerdings auf keine grosse Resonanz. Die SGG schrieb vergangenes Jahr die rund 2’350 Schweizer Gemeinden an. Rund zwanzig seien dem Aufruf gefolgt und hätten den neuen Text intoniert, schreibt der «Rütlibund» in der Juli-Ausgabe seiner Informationsbroschüre. Die Kosten für die neue Hymne würden bisher über 700’000 Franken betragen. Dazu gehörten Personalaufwand, Notariat und anderes mehr.

SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger ist zuversichtlich. Gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung erklärte er: «Die Skepsis gegenüber einer Hymne, die vom Bund nicht offiziell anerkannt ist und Gott aussen vor lässt, bleibt gross, besonders in der Romandie, dem Tessin und in der Innerschweiz.» Und er ergänzte: «Aber wir haben Zeit.» (kath.ch/gs)