Die Charta wurde im Beisein von Delegationen der Schweizer Behörden sowie der Staaten Albanien, Kosovo und Mazedonien am 20. März im Berner Haus der Religionen unterzeichnet. Den Anstoss für das Treffen und die Erklärung gab Nahm Malaj, der frühere Botschafter des Kosovo in der Schweiz. Das Manifest, das je in französischer, deutscher und albanischer Sprache verfasst wurde, bekennt sich zur Laizität, der Gewissens- und Religionsfreiheit sowie der rechtlichen Gleichstellung der Frau.
Interreligiöse Tradition des albanischen Islam
Das Schreiben, das ref.ch vorliegt, beruft sich auf die lange Tradition des interreligiösen Friedens auf dem Balkan. Die Verfasser betonen, dass die überwiegende Mehrzahl der Schweizer Muslime mit Wurzeln im albanischen Sprachraum den Islam als eine Religion verstehe, die auf Frieden und Gerechtigkeit beruhe, und eine «Grundlage für eine harmonische Koexistenz mit den Werten und Grundsätzen des Gastlandes» darstelle.
«Mehr als schwarze Tinte»
Mustafa Memeti ist Präsident des Albanisch Islamischen Verbands der Schweiz, der die Charta zusammen mit der Union der Albanischen Imame der Schweiz unterzeichnet hat. Gemäss Memeti soll das Bekenntnis ein Signal an die Schweizer Gesellschaft sein: «Wir wollen Verantwortung übernehmen für ein konstruktives Zusammenleben.» Die Idee für das Manifest sei schon seit mehreren Jahren im Raum gewesen. Der Islam dürfe nicht für extremistische Zwecke instrumentalisiert werden. Memeti hofft, dass das Papier «nicht nur schwarze Tinte» bleibe. Das Papier werde in allen albanischen Moscheen in der Schweiz aufgelegt und vorgelesen. Darüber hinaus gehe es darum, sich weiterhin in die Schweizer Gesellschaft zu integrieren und den innerislamischen Dialog weiterzuführen.
In der Schweiz leben rund 300’000 Menschen mit albanischen Wurzeln. Sie sind die grösste Gemeinschaft unter den Muslimen, auch wenn die Mehrheit keine praktizierenden Muslime sind.