Müntzer im Popularitätstief

Christian Schenk ist Historiker und Journalist bei der Zürcher Landeskirche. Vom 2. bis zum 10. Januar eilt er mit 20 Pfarrerinnen, Theologen und kirchlichen Verantwortungsträgern quer durch Deutschland – zu allen Hotspots der Reformation. Für ref.ch bloggt er von der Reise. Heute: 9. Januar.


Im Lutherhaus in Wittenberg hängt in einer Ecke ein unscheinbares Bilchen von Thomas Müntzer. Die meisten Besucher lassen den Zeitgenossen Luthers links liegen oder werfen ihm – wenn sie bedingungslose Lutherverehrer sind – einen bösen Blick zu.

Es ist allerdings noch nicht lange her, dass der anfängliche Anhänger Luthers gerade hier in Ostdeutschland vielmehr und vor allem sagenhaft gute Presse hatte. Der «Volksreformator», so nannte und verklärte ihn die sozialistische Geschichtsschreibung, war mit dem Porträt auf der Fünfmark-Note omnipräsent, während man vor allem den späten Luther als «Fürstenknecht» verschrie.

Den DDR-Heldenstatus verdiente sich Müntzer, weil er sich im Bauernkrieg in Süddeutschland auf die Seite der gebeutelten Bauern und Leibeigenen schlug und zum Kampf gegen die herrschenden Fürsten aufrief. Müntzers Aufstand endete im Mai 1525 in einem Gemetzel bei Frankenhausen.

Ein Söldnerheer der Fürsten schlachtete dort die zu einem Endzeitkampf getrimmten Bauern zu Tausenden ab. Müntzer wurde gefangen, gefoltert und geköpft. Das gerechte Gericht Gottes für einen «beschissenen Propheten und Mördergeist», fand Luther. Die Sieger schreiben die Geschichte.

Hintergrund der Reise 

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