Medienkritik SRF-«Reporter»: Jennys Adieu ohne Pathos

This Jenny, langjähriger Glarner Ständerat, ist Mitte November, 62-jährig, mit Exit aus dem Leben geschieden. Die jüngste Folge der SRF-Doku-Reihe «Reporter» begleitete den unheilbar erkrankten Jenny in den letzten Monaten seines Lebens. Er tut dies ohne Pathos. Eine Medienkritik.

This Jenny, langjähriger Glarner Ständerat, ist Mitte November, 62-jährig, mit Exit aus dem Leben geschieden. Die jüngste Folge der SRF-Doku-Reihe «Reporter» begleitete den unheilbar erkrankten Jenny in den letzten Monaten seines Lebens. Die klare Richtung, die der Film alsbald nehmen sollte, habe dann aber doch beide, Reporterin Vanessa Nikisch wie Jenny, überrascht, so die Journalistin zu Beginn des Films. «Bis zum Schluss» ist fast ein wenig unfreiwillig ein Film über das Sterben geworden. Lange geht es denn eher um den Kampf eines Mannes gegen die «Krankheit». Eine Magen-OP, 24 Bestrahlungen, acht Chemotherapien und 17 Kilo Gewichtsverlust wird Jenny hinter sich haben, bevor der Krebs die Überhand nimmt. Doch einer, der es vom armen, vernachlässigten Kind zum erfolgreichen Bauunternehmer und profilierten Politiker gebracht hat, überlässt nichts dem Zufall. Seinen Austritt aus der Politik hat er geregelt, die Mandate abgelegt, den Nachfolger im Geschäft bestimmt, ein Heim für Hündin Ona gefunden. Auch über den Zeitpunkt seines Ablebens wird er dereinst selbst verfügen. Wer dann beim «Siruptrinken» dabeisein dürfe, sagt er nicht. «Sirup»: Wenn’s ums Eingemachte geht, wechselt Jenny ins Ironische. Die Gefühle überlässt er lieber den Mitarbeitern oder der Lebenspartnerin: Sie sei zusammengebrochen, als sie von der Diagnose erfuhr, erzählt er. Seine Frau ist es auch, die über das Unausweichliche spricht: den Tod. Als dieser dann unerwartet schnell eintritt, ist die Kamera ganz weit weg. Auf Wunsch von Jenny.

«Aus die Maus»

Im Genre der Sterbebegleitdokus ist «Bis zum Schluss» eher aussergewöhnlich. Da ist kein Pathos. Doch gerade sein Pragmatismus, mit dem er sich dem Ende nähert, seine Direktheit, mit der er die Zuschauer an seinem Zerfall teilhaben lässt, seine lakonische Distanz, mit der er sein Verschwinden kommentiert, machen This Jenny sympathisch. Am Sterbebett hat ihn Freund und Parteikollege Christoph Mörgeli begleitet. Dieser verliest an der Abdankung die Trauerrede. Von Jenny, wie könnte es anders sein, selber geschrieben: «Punkt. Schluss. Aus die Maus», so habe Jenny einst eine Ständeratsdebatte beendet. Und so sei er nun auch aus dem Leben getreten, liest Mörgeli.

Filmerin Vanessa Nikisch zeichnet das stimmige Porträt eines Mannes, der zum begleiteten Sterben weder «Henkersmahlzeit» noch Musik wünschte: «Ich habe im Leben genug gegessen und gefeiert.»

SRF 1, Reporter am 30. November