Der Cutter Dave D. Leins hat den Beitrag gut geschnitten, und die beiden Kameramänner Ilhan Coscun und Dominic Hiss haben sehr gut gedreht. Es gab Einstellungen, die richtige Mise en scène waren: der Totenkopf, der hinten im Gestell Äneas beim Geschminktwerden über die Schultern grinst; die Partituren von Bach und Haydn, die im Vordergrund thronen, während Äneas dahinter übers iPhone wischt; der Gesanglehrer, der sich im Flügel spiegelt, während er Äneas das richtige «i» zu erklären versucht. Überhaupt scheint die Kamera Äneas nicht gestört zu haben. Als Sänger, der schon ein Engagement in Deutschland hat, ist er sich das vermutlich gewohnt.
«Reporter» auf SRF: Das Wunder von Wädenswil
Der SRF-Dokumentarfilm «Ein Wunderkind wird erwachsen» zeigt das Leben des 19-jährigen Baritons Äneas Humm aus Wädenswil. Dass das Wunderkind im Film trotz den gestellten Fragen des Reporters glänzt, grenzt an ein Wunder. Eine Medienkritik.
Dummdreiste Fragen
Doch dem TV-Team kann nicht gleichmässig gedankt werden. Reporter Roger Brunner hat oft dummdreist gefragt, inszenierte sich modisch kritisch und pseudokontrovers, anstatt den jungen Sänger einfach zu begleiten und auf die Wirkung des Materials zu vertrauen. Ob er denn bei so viel Gesang überhaupt wie ein normaler Teenager leben könne? Durchaus, so Äneas verschmitzt, er sei ja gestern nach dem Ausgang erst um sechs Uhr morgens nach Hause gekommen, da sei er wie andere Jugendliche.
Tiefpunkt war die Frage, ob Backen und Operngesang für einen Jugendlichen nicht ein bisschen bieder seien. Darauf Äneas lächelnd, bevor er den Schokoladenkuchen in den Ofen schob: «Die Frage sagt mehr aus über den Frager als den Befragten.» Dankbar muss man dem Reporter wohl sein, dass er die Szene nicht herausschneiden liess. Er konnte es aber trotzdem nicht lassen und kommentierte später: «Der Teenager, der auf alles eine Antwort hat.» Ein Satz, der akkurat auf den Reporter selber gemünzt zu sein scheint.
Doch Brunner ist es zum Glück nicht gelungen, mit seiner Fragerei Äneas aus der Fassung zu bringen – dazu ist der Sänger zu gross, zu souverän. Überdies ist er unbekümmert, witzig, hat den Schalk im Nacken und eine entwaffnende Zuversicht. Der Bariton mit dem grossen Vornamen, der aus Wädenswil stammt, hat eine internationale Karriere vor sich. Fragen unbedarfter Journalisten können sie erst recht nicht verhindern.
Sendung «Reporter», SRF 1 am 6. Juli