Wir kamen ziemlich pünktlich an in Marburg, so wie man es von einer Zürcher Delegation hier eigentlich erwartet. Mindestens pünktlich. Denn Zwingli soll im Herbst 1529 mit seiner Entourage drei Tage früher als Luther in Marburg zu den geplanten Gesprächen angekommen sein.
Daraus erkannten die Gastgeber, dass dem Zürcher die Verständigung mit Luther ein dringlicheres Anliegen gewesen war, als dem Wittenberger. Der liess sich Zeit. Man weiss darüber bis heute in Marburg haargenau Bescheid, wer in den drei Gesprächstagen oben im Schloss wo und wann aus- und eingegangen ist, und dass es dem Landesherren ein ernstes Anliegen war, es beiden Parteien so angenehm wie möglich zu machen.
Gut geheizt, behaglich in den Privatgemächern hat man abends aufgetischt und morgens in der Privatkapelle zusammen Gottesdienst gefeiert. Die warme Marburger Gastfreundschaft (wir haben sie ebenfalls miterlebt) hätte auch um ein Haar die Verständigung der beiden Reformatoren gebracht. Aber eben, nur fast. Beim Traktandum Abendmahl liess sich Luther nicht auf die Zürcher Linie bringen.
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Hintergrund der Reise