Luzern: Grundsatzdiskussion am falschen Ort

Religiöse Symbole raus aus staatlichen Gebäuden? Wegen der Sanierung einer Abdankungshalle in Luzern streiten die politischen Parteien darüber. Die Luzerner Reformierten äussern sich moderat und betonen, dass die Sanierung der Halle kaum zur Grundsatzdiskussion taugt.

Polarisierend: Die Gemälde in der Luzerner Abdankungshalle Friedental.
Polarisierend: Die Gemälde in der Luzerner Abdankungshalle Friedental. (Bild: Kommunikation Stadt Luzern)

Noch bevor die Sanierung begonnen hat, wurde bereits politisch viel Staub aufgewirbelt. Ursprünglich wollte der Luzerner Stadtrat religiöse Wandmalereien mit Engel- und Jesus-Darstellungen in der Luzerner Abdankungshalle Friedental dauerhaft hinter einer Gipswand verbergen. Auf Druck von CVP und SVP sucht er nun «flexible Lösungen» zum Abdecken der Wandbilder.

Was sagen die reformierte Landeskirche und reformierte Pfarrpersonen zu diesem Disput? «Rein ästhetisch sind die Gemälde keine Juwelen», meint Karl Däppen, reformierter Pfarrer in Kriens. Er findet, dass nicht alle öffentlichen Gebäude konfessionsneutral gestaltet sein müssen, «Kreuze dürfen ruhig sein – aber wenn eine Abdankungshalle bei einem Friedhof neu gebaut wird und eine religiöse Symbolik trägt, ist das zwar nicht allzu störend, aber dennoch unangebracht, da die verschiedenen Bedürfnisse in dieser verletzlichen Situation zu weit auseinander klaffen».

Däppen würde für seine Trauergottesdienste mindestens die Engelsbilder abdecken, gegen ein Grabeskreuz oder sonst ein Kreuz habe er aber nichts.

Woher stammt der «Bildersturm»?

Eine etwas andere Position vertritt Verena Sollberger, Pfarrerin an der Luzerner Lukaskirche. Sie hält es im Gegensatz zu Däppen nicht für unangebracht, dass auch in staatlichen Gebäuden religiöse Symbole zu sehen sind: «Wir sollen unseren Glauben spür- und sichtbar werden lassen, ohne andere zu vereinnahmen.» Der «Bildersturm» in öffentlichen Gebäuden komme zudem wohl weniger von Angehörigen anderer Religionen, sondern eher von Freidenkern und Atheisten, vermutet Sollberger.

Auch sie begrüsst die Sanierung der Halle, und ein Kruzifix und die Engel könnten je nach dem abgedeckt werden. Wichtiger als Abdeckungen findet sie aber, dass man vertieft diskutiert, was eigentlich unter Toleranz zu verstehen ist. Zudem seien Trauernde während einer Abdankung mit ganz anderen Dingen beschäftigt als mit der Innenausstattung einer Abdankungshalle.

Schlechter Gesamtzustand

«Reformierte Trauerfamilien und Besucher der Abdankungshalle haben sich vor allem an dem schlechten Gesamtzustand der Abdankungshalle gestört», so Regina Hauenstein, Informationsbeauftragte der Luzerner Kantonalkirche, «daher begrüssen wir die Sanierung.»

Religion soll positiv, lebensfreundlich und zugewandt erlebt werden, sagt Hauenstein. «Das zeigt sich vor allem im Handeln, weniger in Sicht- und Greifbarem wie zum Beispiel Gemälden.» Grundsatzdiskussionen über religiöse Symbole im öffentlichen Raum sollten aber sowieso nicht aufgrund einer sanierungsbedürftigen Abdankungshalle geführt werden, findet Hauenstein.