Deutschland

«Letzte Hilfe»- Kurse für Angehörige sterbender Menschen

Wie lassen sich die letzten Lebensmomente von Angehörigen angenehmer gestalten und wann muss ein Arzt gerufen werden? Das lernen Teilnehmer eines Kurses in Deutschland. Dieser soll helfen, den Tod zu enttabuisieren.

Viele Menschen möchten am liebsten zu Hause sterben. Dafür brauchen sie die Unterstützung von Angehörigen. Doch häufig trauen sich Familienmitglieder und Freunde diese Aufgabe nicht zu.

Deshalb hat der deutsche Oberarzt und Palliativmediziner Georg Bolliger vor sieben Jahren einen «Letzte Hilfe»-Kurs ins Leben gerufen. «Jeder ist in der Lage, Sterbende zu begleiten», sagt Bollig. Seit 2015 haben nach Angaben der Veranstalter rund 50.000 Menschen an den Kursen teilgenommen.

«Ein 'Letzte Hilfe'-Kurs soll Mut machen, sich mit dem Thema
Sterben und Tod auseinander zu setzen», sagt Kursleiterin Katrin Fritz. «Er soll kleine Kniffs und Tricks weitergeben, wie man mit Sterbenden gut umgeht und auch für sich selber gut sorgen kann.» Im Gegensatz zur Ersten Hilfe
gehe es nicht darum, das Überleben zu sichern und Lebenszeit zu
gewinnen, sondern darum, Leid zu lindern und Lebensqualität zu
erhalten.

Die Teilnehmerinnen erfahren auch, was zu tun ist, wenn jemand
gestorben ist, wann der Arzt zu holen ist, um den Tod festzustellen,
und dass der Verstorbene bei Wunsch der Angehörigen auch länger als
einen Tag zu Hause aufgebahrt werden darf.

Mittlerweile werden in 20 Ländern weltweit «Letzte Hilfe»-Kurse
angeboten, in Europa, Kanada, Brasilien und Australien. Doch
eigentlich gibt es immer noch zu wenige ausgebildete «Letzthelfer»,
findet Fritz. Denn Tod und Sterben sollten kein Tabu sein. «Wir alle sterben, und deshalb ist es auch wichtig, dass alle Bescheid wissen.» (epd/pef)