Konkurrenzkampf um alte Kleider

Das Klima im Altkleidergeschäft wird rauer. Neue Konkurrenz zwingt den Schweizer Marktführer Texaid, an dem auch das evangelische Hilfswerk Heks beteiligt ist, zum Handeln. Dieser kopiert das Sammelmodell eines kommerziellen Mitbewerbers und setzt mit Übernahmen auf Grösse.


Über lange Zeit war Texaid die einzige Firma, die sich hierzulande für getragene Kleider interessierte. 1978 gegründet, hatte sie den Schweizer Markt über zehn Jahre lang für sich alleine. Den sechs Hilfswerken, denen Texaid zur Hälfte gehört, wurden Jahr für Jahr höhere Erträge zuteil. Im letzten Jahr bekamen Heks, das Schweizerische Rote Kreuz, Caritas Schweiz und andere karitative Organisationen insgesamt 5,4 Millionen Franken ausbezahlt.

Auch das Aufkommen kleinerer Konkurrenten wie Contex oder Tell-Tex in den 1990er-Jahren setzte den Marktführer nicht unter Druck. Es waren genug alte Kleider für alle da. Die Sammelmengen stiegen zuverlässig weiter, ebenso die Einnahmen. Dies änderte sich im letzten Jahr: Zwar erzielte Texaid ein ausgezeichnetes Jahresergebnis, die Sammelmenge reduzierte sich jedoch erstmals in der 35-jährigen Unternehmensgeschichte. Rund 34’200 Tonnen an gebrauchten Textilien und Schuhen kamen im letzten Jahr zusammen. Das sind knapp 500 Tonnen weniger als im Vorjahr.

Sammelboxen in H&M-Filialen als Konkurrenz
Die steigenden Einnahmen im Schweizer Altkleiderhandel haben auch profitorientierte Konkurrenz ins Land gelockt. Sichtbar wird diese etwa in H&M-Filialen, wo seit dem laufenden Jahr ebenfalls getragene Kleider gesammelt werden. Hinter den Kleidersammlungen in Modegeschäften steht die Firma I:Collect mit Sitz in Baar ZG. Das Sammeln von Kleidern in Modeläden, wofür die Kunden im Gegenzug Einkaufsgutscheine erhalten, ist das Geschäftsmodell von I:Collect.

Die Konkurrenz und die sinkende Sammelmenge setzen den bisher unangefochtenen Schweizer Branchenführer Texaid unter Zugzwang. Ab diesem Herbst wird das Unternehmen daher ebenfalls in Kleiderläden sammeln. «Wir sind Partnerschaften mit zwei Schweizer Modeketten eingegangen», sagt Texaid-Sprecherin Lilly Sulzbacher. Um welche Ketten es sich handelt, will sie noch nicht sagen.

«Wir müssen diesen Schritt machen, da sonst I:Collect den Markt besetzt», sagt Sulzbacher. Eigentlich hätte man nicht vorgehabt, in Kleiderläden zu sammeln, doch die Entwicklung zwinge Texaid dazu. «Wir tun natürlich alles, um unsere Position zu stärken», sagt Sulzbacher.

Auch das Kleidergeschäft «Companys» führt mit den «Charity Weeks» Kleidersammlungen durch, zugunsten der Schweizer Berghilfe. Beim Spenden einer alten Jacke erhält der Kunde Rabatt beim Kauf einer neuen Jacke.

Expansion nach Deutschland
Zur Positionsstärkung soll auch der Kauf der deutschen ReSales-Gruppe beigetragen haben, ein Altkleidersammler mit 650 Angestellten, 6500 Sammelcontainern und zwei Sortierbetrieben. Texaid übernahm das Unternehmen per 30. August, wodurch der Personalbestand auf 1000 ansteigt. Durch den Kauf wird Texaid zum drittgrössten Unternehmen im Altkleidergeschäft in Europa. Der Zusammenschluss stärke die Marktposition auch hierzulande und sichere langfristig die Schweizer Arbeitsplätze, schrieb das Unternehmen in einer Medienmitteilung von Anfang September.

Der Übernahmehunger Texaids stösst auch auf Kritik. Der karitative Aspekt werde dem Wachstums- und Profitstreben untergeordnet, heisst es. Texaid-Sprecherin Sulzbacher bezeichnet solche Vorwürfe als haltlos. Im letzten Jahr seien 90 Prozent des erwirtschafteten Reinertrags an die beteiligten Hilfswerke ausgeschüttet worden. Das sei sogar mehr als in früheren Jahren.