Kirchen verurteilen Polizeieinsatz gegen Demonstranten in Kiew

Nach einem nächtlichen Polizeieinsatz auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz haben sich die meisten ukrainischen Kirchen hinter die Demonstranten gestellt. Sie verurteilten am 11. Dezember den Versuch der Sicherheitskräfte, die Regierungsgegner vom Platz zu verdrängen.


Der orthodoxe Kiewer Patriarch Filaret, die römisch-katholische Bischofskonferenz sowie die griechisch-katholische und protestantische Kirchen forderten Regierung und Opposition in getrennten Appellen zu Gesprächen über eine Lösung der Krise auf.

Patriarch Filaret warnte, die Anwendung von Gewalt gegen die Kundgebungsteilnehmer verstärke nur den Konflikt zwischen Regierung und Opposition. Stattdessen brauche es einen Dialog zwischen beiden Seiten auf höchster Ebene. Bis zum Dialogende solle es ein Moratorium für Polizeieinsätze geben, so der Patriarch. Ein Ausweg aus der Krise könne die Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens sein. Die überraschende Weigerung der Regierung, das Abkommen zu unterzeichnen, hatte vor knapp drei Wochen die Proteste ausgelöst.

Griechisch-katholische Bischöfe und Priester anderer Kirchen traten in der Nacht und am Morgen bei den Demonstrationen auf. Sie verlasen den gemeinsamen Aufruf der Glaubensgemeinschaften für eine friedlichen Lösung der politischen Krise.

In dem am Dienstag (10. Dezember) vom «All-Ukrainischen Rat der Kirchen und religiösen Organisationen» veröffentlichten Appell heisst es: «Wir rufen das ganze Volk der Ukraine auf, unabhängig von politischen Überzeugungen weise und verantwortungsvoll zu sein, sich gewalttätiger und rechtswidriger Handlungen zu enthalten und sich nicht provozieren zu lassen.» Die Glaubensgemeinschaften mahnen zudem Regierung und Opposition, sich gegenseitig zu respektieren und keine Gewalt anzuwenden.