Corona-Pandemie

Kirchen sollen möglichst «kleine» Gottesdienste feiern

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) empfiehlt den Kirchgemeinden, an Gottesdiensten möglichst nur 50 Besucher zuzulassen. Das geht aus einer neuen Handreichung hervor.

Pfarrer Christoph Sigrist hält im Januar 2021 im Zürcher Grossmünster eine Predigt vor weniger als 50 Leuten. (Bild: Keystone/ Gaëtan Bally)

Diesen Sonntag dürfen Kirchen noch Besucherinnen einlassen, ohne zu wissen, ob diese geimpft, getestet oder genesen sind. Ab kommender Woche hat der Bundesrat jedoch eine Zertifikatspflicht erlassen (ref.ch berichtete).

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) empfiehlt den Kirchgemeinden nun, möglichst kleine Gottesdienste zu feiern, also maximal 50 Personen zuzulassen.

Damit könne auf das Zertifikat verzichtet werden und der Gottesdienst stehe allen Interessierten offen, begründet die EKS in einer am 10. September veröffentlichten Handreichung. Damit aber mehr als die 50 Personen vor Ort den Gottesdienst verfolgen könnten, sei zudem zu prüfen, ob mehrere Gottesdienste nacheinander durchführbar seien oder ob eine Übertragung per Livestream möglich sei.

Digitale Dokumente sparen Zeit

Wenn sich Kirchgemeinden entscheiden, Gottesdienste ohne Obergrenze abzuhalten, müssen sie die Zertifikate kontrollieren. Das ist technisch unkompliziert: es reicht, die entsprechende App auf ein Smartphone oder ein
Tablet zu laden.

Die Zertifikate müssen dann mit einem Lichtbildausweis (zum Beispiel Fahrausweis, ID oder Swiss Pass) abgeglichen werden, um sicherzustellen, dass Person und Dokument zusammenpassen. Dieser Prüfvorgang könne verkürzt werden, wenn Kirchgemeinden die Anmeldungen online entgegennehmen und Dokumente digital hinterlegt werden würden, rät die EKS.

Wichtig sei weiter, dass die Kirchgemeinden ausreichend Personal einsetzten, damit es an den Eingängen wegen der Prüfung nicht zu langen Wartezeiten käme und sich vor den Türen keine Menschenansammlungen bildeten.

Zertifikate leicht zu prüfen

Mit dem Bundesratsentscheid zur Zertifikatspflicht könne man nicht zufrieden sein, führte Michel Müller, Kirchenratspräsident der Reformierten Zürcher Landeskirche, am Freitag auf Anfrage aus. Aber angesichts der Situation, die für vulnerable Personen unbefriedigend sei, müsse man zu solchen Massnahmen greifen.

An Gottesdiensten wie am eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag vom 19. September 2021 seien durchaus mehr als 50 Besucher zu erwarten. Die Zertifikate zu kontrollieren, sei wirklich kein grosser Aufwand. «Ich bin mit meinem Zertifikat problemlos durch halb Europa gereist», erzählte Müller.

Er sieht die Kontrollpflicht sogar als Möglichkeit, auf Leute zuzugehen und mit ihnen in persönliche Gespräche zu kommen. Insofern könne er der Massnahme auch etwas Gutes abgewinnen. «Die Kirche bietet jetzt Raum für den Schutz jener, die nicht angesteckt werden wollen», betonte Müller.