Kirche kritisiert Vereinnahmung im Wahlkampf
Die Präsidentschaftswahlen in Brasilien gehen in die heisse Phase. Nun hat sich auch die katholische Kirche zu Wort gemeldet. «Religiöse Anlässe dürfen von Kandidaten nicht genutzt werden, damit sie ihre Vorschläge präsentieren», hiess es in einer Mitteilung der brasilianischen Bischofskonferenz am Dienstag, 11. Oktober. «Durch religiöse Manipulation» würden die Werte des Evangeliums herabgemindert. Zudem werde von den wirklichen Problemen in Brasilien abgelenkt. Namen von Kandidaten oder Situationen kamen in der Mitteilung nicht vor.
Der rechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro, zu dessen Wählerbasis die Evangelikalen gehören, hatte am Wochenende allerdings am «Cirio de Nazaré» in Belém teilgenommen. Bei der religiösen Prozession mit zwei Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern handelt es sich um eine der grössten der Welt.
Am 30. Oktober kommt es zur Stichwahl zwischen Bolsonaro und dem linken Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva, der sich im ersten Durchgang knapp durchgesetzt hatte.
Brasilien ist nach wie vor das Land mit den meisten Katholiken weltweit. Die aus den USA importierten, häufig erzkonservativen evangelikalen Bewegungen gewinnen aber immer mehr Einfluss auf Politik und Gesellschaft im grössten Land in Lateinamerika. (sda/pef)