Islamischer Zentralrat kritisiert Thurgauer Polizei

Der Thurgauer Kantonspolizei wird vorgeworfen, durch «Profiling» Muslime einem Generalverdacht auszusetzen. Der Islamische Zentralrat Schweiz hat deshalb einen offenen Brief publiziert. Die Polizei kann die Kritik nicht nachvollziehen.

Polizei sucht nach möglichen Dschihad-Sympathisanten.
Polizei sucht nach möglichen Dschihad-Sympathisanten. (Bild: flickr/Kecko)

Die Thurgauer Polizei hatte im September an Behörden, Ämter, Schulen und Jugendorganisationen einen Brief geschrieben mit dem Titel «Früherkennung von Dschihad-Sympathisanten». Darin bat sie um die Mithilfe, diese frühzeitig zu erkennen. Das Vorgehen stehe in Zusammenhang mit Massnahmen zur Abwehr dschihadistischer Bedrohungen, erklärte die Kantonspolizei gegenüber kath.ch. Im Schreiben listet die Polizei gewisse Merkmale auf, die auf mutmassliche Dschihadisten deuten könnten. Zum Beispiel «auffallende äusserliche Veränderungen (Kleidung, Bart)», eine «plötzliche Sympathiebekundungen für den Islam oder IS» usw.

«Auffallende äusserliche Veränderungen» als Kriterium

Diese Auflistung von Auffälligkeiten ist nach Ansicht der IZRS unzulässig und hat weitreichende Folgen: «Mit dieser auf Muslime im Allgemeinen und Konvertiten im Speziellen abzielenden Stereotypisierung verfallen Sie in ein oberflächliches <Profiling>», schreibt der Verein in seinem offenen Brief an die Polizei. Dies führe zu Verunsicherung und Misstrauen in der Gesellschaft, so der IZRS, «weil nun in der breiten Bevölkerung der Eindruck entstehen könnte, dass der Thurgau einer besonderen und unmittelbaren Bedrohung durch <Dschihad-Sympathisanten> ausgesetzt sei.»

Polizei spricht von «sorgfältiger Wortwahl»

Die Thurgauer Kantonspolizei entgegnete zu den Vorwürfen des IZRS, sie habe sich im Vorfeld des Schreibens von Dschihad-Experten beraten lassen und darauf geachtet, dass kein Negativbild verbreitet werde, wie Mediensprecher Daniel Metzler erklärte. (kath.ch)