Islamexperte: Strafrecht freihalten von kulturellen Aspekten

Der deutsche Islamwissenschaftler Ralph Ghadban hält es für falsch, kulturelle Hintergründe in der Rechtsprechung stärker zu berücksichtigen. Entsprechende Vorschläge widersprächen dem Grundprinzip der Gleichheit, sagte Ghadban am Dienstag, 16. September, im Deutschlandradio Kultur vor dem in Hannover beginnenden Deutschen Juristentag.

Die Rechtssprechung soll keine kulturellen Hintergründe berücksichtigen, findet der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban.

An der Tagung ist der Umgang mit der sogenannten islamischen Paralleljustiz ein thematischer Schwerpunkt. Ghadban betonte, der Einsatz von Mediatoren und islamischen Friedensrichtern sei oft hilfreich: «Jeder Versuch, Streitereien im Vorfeld des Gerichtsverfahrens zu lösen, ist willkommen.» Sobald aber das Strafrecht tangiert werde, sei aus seiner Sicht nur der Staat gefragt.

Werte anderer Kulturen übernehmen – oder eben nicht

In der Diskussion um die multikulturelle Gesellschaft habe man lange Zeit gedacht, es erleichtere die Integration, «wenn man die Werte anderer Kulturen übernimmt», so Ghadban. Sämtliche Studien der letzten Jahre belegten aber, dass das Gegenteil eingetreten sei: «Eine Verfestigung der Parallelgesellschaften und ein Manko der Integration.» (kipa)