«Dieses Mal wird international und nicht deutschnational gefeiert», sagte die Theologin und Botschafterin für das Reformationsjubiläum in Deutschland, Margot Kässmann, gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Das Konzept sei «nicht konfessionalistisch, sondern ökumenisch».
Angesichts ökumenischer Annäherung sollten die bleibenden Unterschiede zur katholischen Kirche aber nicht geleugnet werden, sagte die frühere EKD-Ratsvorsitzende. «In der konfessionellen Differenz liegt auch eine kreative Kraft. Eine Einheitskirche fände ich genauso langweilig wie eine Einheitspartei.»
Protestanten müssen Balance finden
Die Theologin benannte das Papsttum, die Marienverehrung sowie das Verständnis von Kirche und Abendmahl als bleibende Differenzen. Im Festjahr zum 500. Reformationsjubiläum müsse es den Protestanten darum gehen, «die richtige Balance zu finden zwischen ökumenischer Ausrichtung einerseits und klarer evangelischer Grundhaltung andererseits».
Die ehemalige hannoversche Bischöfin riet zu Gelassenheit im Umgang mit den vielen Souvenirs und Luther-Devotionalien im Jubiläumsjahr. «Die Kritik kommt ja gerade von solchen Leuten, die ansonsten sagen, Evangelische seien humorlos», sagte Kässmann. Martin Luther selbst habe aber gesagt, das Evangelium könne nur mit Humor gepredigt werden. Der grosse Verkaufserfolg der Playmobil-Figur des Reformators zeige, dass «Luther in der Mitte der Gesellschaft angekommen» sei.
Höhepunkt steht noch bevor
Kässmann äusserte die Hoffnung, dass von dem Jubiläum ein Signal der Ermutigung ausgeht. «Wir werden Besuch bekommen von Christinnen und Christen aus der ganzen Welt, die ganz andere Sorgen haben», sagte sie. «Das sollte uns in Deutschland aufrütteln, nicht so viel Angst vor der Zukunft zu haben.»
Der Höhepunkt des Reformations-Jubiläumsjahres in Deutschland, das noch bis Ende Oktober gefeiert wird, ist ein Gottesdienst am 28. Mai in Wittenberg, bei dem bis zu 200‘000 Menschen erwartet werden. Er ist zugleich Abschluss des Deutschen Evangelischen Kirchentags, der ab dem 24. Mai in Berlin stattfindet. (epd)