Im Aargau heisst jetzt alles «Kirche»

Die Synodalen der Reformierten Landeskirche Aargau haben auf ihrer Herbstsynode am 15. November die Vorlagen des Kirchenrates mehrheitlich befürwortet. Das galt auch für die zwei Traktanden mit Konfliktpotenzial: das gemeinsame Erscheinungsbild und das Verfahren zur Abwahl von Ordinierten.


«Ein gemeinsamer Name ist ein emotionales Thema», sagte Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg zum Entwurf des Kirchenrats für ein gemeinsames Erscheinungsbild. Dieses sieht vor, dass sich künftig Kirchgemeinden und Landeskirche als «Kirche» bezeichnen und ein wiederkennbares Logo verwenden (siehe Bild).

Im Vorfeld hatte es einige Misstöne gegeben. Im Sommer hatte der Kirchenrat unter Ordinierten und Ehrenamtlichen  eine nicht-repräsentative Online-Umfrage durchgeführt. Dort stimmte eine Mehrheit für die Beibehaltung des Wortes «Kirchgemeinde» im Namen der Ortsgemeinde. Diese Voten wurden im vorgelegten Entwurf jedoch nicht berücksichtigt. «Aargauer Reformierte streiten um neuen Namen und neues Logo», titelte darauf die «Aargauer Zeitung» im Oktober.

Die gleiche Kirche auf verschiedenen Ebenen

Auf der Synode war allerdings von diesem Streit nicht mehr viel zu spüren. Es gab zwar etwas Kritik von der Geschäftsprüfungskommission und einen Gegenvorschlag. Aber die grosse Mehrheit der Synodalen liess sich von den Vorteilen der gleichen Bezeichnung für Kantonalkirche und Ortsgemeinde überzeugen.

Es gehe darum zu zeigen, dass man eine einzige Kirche auf verschiedenen Ebenen sei: lokal, kantonal und national, sagte Weber-Berg. Auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) werde in absehbarer Zukunft «Evangelisch-Reformierte Kirche Schweiz» (EKS) heissen.

Mehrere Synodale betonten, dass bei kirchenfernen Menschen der Begriff Kirche wesentlich geläufiger als Kirchgemeinde. Man sage auch umgangssprachlich «ich bin in der reformierten Kirche», nicht «in der Kirchgemeinde».

Diese Argumente seien in der Online-Umfrage nicht klar genug kommuniziert worden, sagte der Informationsbeauftragte Frank Worbs gegenüber ref.ch. Er zeigte sich erleichtert, dass der Vorschlag des Kirchenrats so deutlich angenommen wurde.

Wie entlässt man Pfarrer?

Beim zweiten emotionalen Traktandum ging es um die 2014 von vierzehn Synodalen eingereichte Motion «Anstellungs- und Entlassungsverfahren von ordinierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern». Das Problem: Pfarrpersonen oder sozialdiakonische Mitarbeitende können im Aargau auch bei nicht mehr möglicher Zusammenarbeit nicht entlassen werden, denn sie sind gewählt. Wenn sie nicht von selber kündigen, können sie höchstens bei den Erneuerungswahlen abgewählt werden, die alle vier Jahre stattfinden. Das entspricht dem aargauischen Kantonsrecht, auf dem die Kirchenordnung beruht.

Der Kirchenrat schlug an der Synode ein detailliertes Verfahren vor, das eine Nichtwiederwahl auch innerhalb einer Legislaturperiode ermöglichen soll. Ausserdem will die Landeskirche künftig präventiv dazu beitragen, dass es möglichst nicht zu solchen Konflikten kommt. Im Vorfeld einer Pfarrwahl sollen künftig nicht nur die formalen Voraussetzungen (Wahlfähigkeit), sondern auch die persönliche Eignung eines Kandidaten oder einer Kandidatin (Wählbarkeit) überprüft werden.

Einzelne Synodale fürchteten, dass die Gemeindeautonomie untergraben werde, wenn der Kirchenrat das letzte Wort habe. Weber-Berg sagte dazu, die Wählbarkeit solle nur «in Extremfällen» verweigert werden. Erfahrungen in der Vergangenheit hätten aber gezeigt, dass es diese Möglichkeit geben müsse.

Die grosse Mehrheit der Synodalen zeigte sich hochzufrieden mit dem Entwurf. «Das ist eine der besten Vorlagen, die schweizweit zu diesem Thema existieren», sagte Martin Schweizer vom Pfarrkapitel.

Ein Budget in den roten Zahlen

Einstimmig bewilligt wurde zudem das Budget für 2018, auch wenn es Kritik beim budgetierten Aufwandüberschuss von rund 240‘000 Franken (bei einem Gesamtvolumen von 11,4 Millionen) gab. Der zuständige Kirchenrat Hans Rösch versicherte, dass die Landeskirche alles daran setzen werde, «in Zukunft ein ausgeglichene Budget» vorzulegen. Noch sei die «Finanzsituation gut», aber mittelfristig seien «Massnahmen nötig, dass das so bleibt».

(Bild: ref-kirchen-ag.ch, Montage: Marianne Weymann)