Hunderttausende verlassen ihre Heimat
Fast eine Million Menschen sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen durch den seit vier Wochen andauernden Konflikt im Sudan vertrieben worden. Nahezu 200'000 Menschen seien vor den Kämpfen zwischen Armee und Milizionären in andere Länder der Region geflohen, sagte die Sprecherin des UN-Hilfswerks UNHCR, Olga Sarrado. Jeden Tag flüchteten Menschen ins Ausland. Knapp 740'000 Menschen sind zudem laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) innerhalb des afrikanischen Landes auf der Flucht. Die Zahl der Binnenflüchtlinge dürfte sich weiter erhöhen.
Unter den Flüchtlingen befinden sich Schätzungen zufolge auch knapp 370'000 Kinder. Die Exekutivdirektorin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Catherine Russell, sprach von katastrophalen Auswirkungen des Konflikts für Kinder. «Tausende haben schwere traumatische Ereignisse erlebt oder mussten auf der Suche nach Sicherheit aus ihrem Zuhause fliehen», erklärte Russell. Sie bräuchten dringend internationale humanitäre Hilfe.
Gemäss Medienberichten haben sich die beiden Parteien mittlerweile darauf geeinigt, humanitäre Hilfe möglich zu machen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Konkret sollen sich die Truppen aus kritischer Infrastruktur wie Wasser- und Elektrizitätswerken sowie Krankenhäusern zurückziehen. Die Gesundheitsversorgung ist seit Beginn der Kämpfe Mitte April stark eingeschränkt, weil viele Spitäler gerade in der Hauptstadt bei Luftangriffen zerstört wurden oder keine Medikamente mehr haben. Vorratslager von Hilfsorganisationen wurden geplündert, Helferinnen und Helfer getötet.
Seit vergangenem Wochenende gibt es zudem Hoffnung auf einen baldigen Waffenstillstand. Die Konfliktparteien – die Armee und die paramilitärischen «Rapid Support Forces» (RSF) – verhandeln unter Vermittlung Saudi-Arabiens und der USA. Hintergrund der Gewalt ist ein Machtkampf zwischen Armee-Chef General Abdul Fattah Al-Burhan und dem Befehlshaber der paramilitärischen RSF-Miliz, Mohamed Hamdan Dagalo. Seither sind laut offiziellen Angaben mehr als 600 Menschen getötet und über 5.000 verletzt worden. Die tatsächliche Zahl könnte jedoch weit höher liegen. (epd/ eba)