Hohes Alter: eine Chance für alle

An der Veranstaltung «Greise oder Weise? Das hohe Alter in unserer Gesellschaft» lotete die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello die Hochaltrigkeit aus. Der Anlass vor 350 Gästen fand am 1. Oktober im Aarauer Kultur- und Kongresshaus statt.

Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Bern
Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Bern. (Bild: Jiri Vurma)

Pasqualina Perrig-Chiello, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Bern, plädierte in ihrem Referat für ein Altern als Chance für alle. Ausgehend von der Tatsache, dass das hohe Alter «verlustreich, weiblich, variantenreich und wenig erforscht» ist, skizzierte sie Herausforderungen mit Hochaltrigkeit. Gleichzeitig zeigte sie, wie der einzelne und die Gesellschaft mit dem hohen Alter umgehen können, damit es zum gesamtgesellschaftlichen Gewinn werden kann.

Handlungsbedarf sieht Pasqualina Perrig-Chiello in drei Feldern: Der Generativität, also in der Verantwortung auch für die nachfolgenden Generationen, im Umgang mit der Einsamkeit und in der Herausforderung «Multimorbidität», sprich komplexen Mehrfacherkrankungen älterer Menschen und dem resultierenden Pflege- und Betreuungsaufwand.

Existenz ohne Funktion geht nicht

Was trotz Einschränkungen auch jenseits von 80, 90 Lebensjahren zum Wohlbefinden beiträgt, zeigte die Referentin aufgrund einer Befragung hochaltriger Menschen in über 17 Ländern auf. Angeführt wird diese Zufriedenheits-Hitparade von der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, gefolgt von Gesundheit, sozialen Beziehungen, finanziellen Mitteln und Respekt, Anerkennung.

Damit diese Voraussetzungen möglichst lange gegeben sind, muss der hochaltrige Mensch aktiv und neugierig sein, sich vielfältig stimulieren lassen, Selbstverantwortung übernehmen und mit sich selber und der Umwelt versöhnt den Alltag meistern. Zentral dabei ist nach Perrig-Chiello, dass auch Hochaltrige eine Funktion in dieser Gesellschaft haben und einen Sinn in ihrem Leben sehen, oder wie die Referentin Friedrich Nietzsche zitierte: «Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie».

Sie zitierte auch ausführlich aus den Kolumnen des hochaltrigen reformierten Pfarrers Otto Streckeisen: «Menschliche Reife besteht darin, dass man mit Freude Hilfe leisten, aber auch Hilfe annehmen kann».

Im abschliessenden Podium wurde das Gehörte weitgehend bestätigt. Der Anlass wurde von der Pro Senectute Aargau, der Reformierten und Römisch-Katholischen Landeskirche Aargau sowie dem Departement Gesundheit und Soziales organisiert.