Islam
Am Sonntag beginnt der diesjährige Hadsch
Während die Christen das Pfingstfest begehen, beginnt am Sonntag für die Muslime der diesjährige Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka in Saudi-Arabien. Sie bildet eine der fünf Säulen des Islam. Der Koran erklärte die religiös motivierte Reise für jeden Muslim, der die finanzielle und gesundheitliche Möglichkeit dazu hat, zur Pflicht.
Der Hadsch kann nur an bestimmten Tagen im Jahr vollzogen werden, nämlich zwischen 8. und 13. des islamischen Monats Dhu al-Hidschah. Aufgrund des islamischen Mondkalenders verschiebt sich das Fest im Sonnenkalender und findet – so wie auch der islamische Fastenmonat Ramadan – immer wieder zu anderen Zeiten im Jahr statt. Ausserhalb dieser Zeit ist nur eine sogenannte «kleine Wallfahrt» möglich.
Um nach Mekka reisen zu dürfen, müssen sich die Gläubigen in Wartelisten eintragen. Manche von ihnen warten jahrzehntelang, bis sie ihrer religiösen Pflicht nachkommen können. Es gibt aber auch inoffizielle Pilger.
Hadsch gliedert sich in mehrere Teile
Am ersten Tag findet in Mekka der Eintritt in den Weihezustand Ihram statt: Die einfache weisse Kleidung, die Gläubige während des Hadsch tragen müssen, symbolisiert die Gleichheit aller Pilger vor Allah.
Daraufhin wird die erste Umrundung begangen: Die Kaaba, ein schwarzes, würfelartiges Gebäude im Zentrum der Grossen Moschee, das mit einem schwarzen Vorhang umhüllt ist und den Schwarzen Stein beherbergt, wird sieben Mal gegen den Uhrzeigersinn umrundet. Der Schwarze Stein, offenbar ein Meteorit, stammt laut islamischer Überlieferung aus dem Paradies. Er soll weisser als Milch gewesen und mit der Zeit schwarz geworden sein.
Am selben Tag wird auch der Weg zwischen den beiden heiligen Hügeln Safa und Marwa sieben Mal begangen. Dieser bezieht sich auf Hagars und Ismaels Suche nach Wasser. Hagar und Ismael kommen sowohl im Alten Testament der Bibel als auch im Koran vor: Hagar war die ägyptische Magd von Sara, der Frau von Stammvater Ibrahim.
Darauf folgt ein Marsch zum benachbarten Ort Mina. Hier bleiben die Pilger bis zum nächsten Morgen, an dem sie zur Arafat-Ebene aufbrechen, wo Gott um Vergebung gebeten wird. Die Pilger halten sich dort bis zum Sonnenuntergang auf und übernachten daraufhin in Muzdalifa.
Bis zum Opferfest folgt Etappe auf Etappe
Am dritten Tag findet die symbolische Teufelssteinigung statt. Daraufhin beginnt das viertägige Opferfest, das höchste islamische Fest. Es erinnert an die biblische Geschichte, in der Gott Abraham befiehlt, seinen Sohn zu opfern.
Nach islamischer Tradition handelte es sich bei diesem Sohn um Ismael, nicht um Isaak wie in der biblischen Geschichte. Im letzten Moment änderte Gott seine Forderung und Abraham sollte ein Schaf schlachten. Die Geschichte gilt als Ausdruck des Gottesvertrauens Abrahams. Während des Festes werden Opfertiere geschlachtet, das Fleisch geht vor allem an Bedürftige.
Immer wieder tödliche Zwischenfälle
2025 nahmen rund 1,6 Millionen Musliminnen und Muslime am Hadsch teil. Vor den Corona-Jahren waren es rund 2,5 Millionen gewesen. Immer wieder haben Massenpaniken und Terroranschläge für viele Tote während des Hadsch gesorgt. Zuletzt kostete sengende Hitze mehr als 1200 Menschen das Leben.
Besonders betroffen: nicht-registrierte Pilgerinnen und Pilger. Diese haben oft keinen Zugang zu Bussen, klimatisierten Zelten oder Trinkwasserstationen. Dem islamischen Glauben zufolge kehren die Pilgerinnen und Pilger von der Hadsch «rein wie Ungeborene» zurück. Der diesjährige Hadsch endet am Freitag, 29. Mai. (sda/ dst)