Gebete für Donald Trump

Bei der Amtseinführung des US-Präsidenten gehört es dazu: Religionsvertreter beten. Donald Trump hat für Freitag gleich sechs Geistliche eingeladen. So viele waren es noch nie.

Am Freitag wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten seinen Amtseid ablegen.
Am 20. Januar wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten seinen Amtseid ablegen. (Bild: flickr/Gage Skidmore)

Die Auswahl der Betenden zur Amtseinführung zeige, wie der designierte Präsident Amerika sieht und wie er sich Amerika vorstellt, sagte der Historiker John Wilsey vom Southwestern Baptist Theological Seminary in Texas. Bemerkenswert sei, dass unter den fünf Frauen und einem Mann, die am Freitag an der Westseite des Capitols in Washington bei der Einführung von Donald Trump ein Gebet oder einen Segen sprechen werden, niemand vom sogenannten Mainstream-Protestantismus dabei sei, sagte Wilsey.

Dafür beten erstmals Vertreter des «Wohlstandsevangeliums», dem zufolge Vermögen und Erfolg Zeichen für Gottes Gunst sind. Dazu gehören zwei Fans von Donald Trump: Bischof Wayne Jackson von der unabhängigen Great Faith Ministries International-Kirche in Detroit und die Fernsehpredigerin Paula White. Trumps Vermögen zeige, das Gott ihn gesegnet habe, sagte Jackson einmal im Rundfunksender NPR.

 

Amtseinführung ohne Lutheraner, Methodisten und Presbyterianer

Für den neuen Präsidenten werden zudem beten: Baptistenprediger Franklin Graham (Sohn von Billy Graham), der römisch-katholische Kardinal Timothy Dolan, der Präsident des evangelikalen «Nationalen Hispanischen Führungsverbandes» Pastor Samuel Rodriguez und Rabbi Marvin Hier, der das Simon Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles gegründet hat. Der Mainstream-Protestantismus, zu dem Lutheraner, Methodisten und Presbyterianer zählen, kommt diesmal erst am Samstag zum Zug: Dann wird in der episkopalen Nationalkathedrale in Washington ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, zu dem auch der neu eingeführte Präsident erwartet wird.

Bisher haben die neuen Präsidenten meist zwei oder drei Vertreter des Mainstream-Protestantismus und einen Katholiken genommen, manchmal einen Rabbiner. Bei Barack Obamas Amtseinführung 2013 betete erstmals eine Frau, die Bürgerrechtlerin Myrlie Evers-Williams.

 

«Wohlstandsevangelium passt zu Trump»

In weiten Kreisen des Protestantismus wird das «Wohlstandsevangelium» kritisiert wegen des Materialismus und des opulenten Lebensstils mancher Prediger. Der Theologe Michael Horton schrieb in der «Washington Post» mit Blick auf die Fernsehpredigerin White, der Glaube, «Gott verteile materiellen Wohlstand und Gesundheit» aufgrund der Glaubensstärke habe mit dem Christentum nichts zu tun. Doch zu Donald Trump passe die Theologie, sagt Historiker Wilsey. Der Milliardär bekenne sich zum Christentum, «stellt Reichtum zur Schau und verspricht, er werde Amerika wieder gross machen».

Aufgewachsen ist Donald Trump mit der presbyterianischen Kirche, in der er auch konfirmiert wurde. Mehrmals hat er lobend über den Selbsthilfeautor und Pfarrer Norman Vincent Peale mit dessen Lehre von der «Kraft des positiven Denkens» gesprochen. Trumps Eltern waren Mitglieder von Peales Gemeinde. (epd)