Ein evangelikaler Christ an Trumps Seite

Grosse politische Routine, gute Verbindungen in den Kongress und eine extrem strapazierbare Loyalität: Das sind die Eigenschaften von Mike Pence, der als Trumps Vize ins Weisse Haus einziehen wird.

Mit Trump nicht immer auf einer Linie: der zukünftige Vize Mike Pence.
Mit Trump nicht immer auf einer Linie: der zukünftige Vize Mike Pence. (Bild: Wikimedia)

«Ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner, in dieser Reihenfolge» – so beschreibt Pence sich selbst. Der evangelikale Christ ist für Trump ein wichtiges Bindeglied zum erzkonservativen Flügel der Republikanischen Partei. Dort werden viele den Verdacht nicht los, dass es sich beim schillernden Immobilienmogul um einen verkappten Linksliberalen handeln könnte.

Als Gouverneur von Indiana setzte Pence eines der strikten Anti-Abtreibungsgesetze des Landes in Kraft. Er unterzeichnete auch ein hochumstrittenes Gesetz zur «Religionsfreiheit», das es – so stellten es jedenfalls die Kritiker dar – Geschäften erlaubt, Homosexuelle nicht zu bedienen. Angesichts der Welle von Empörung revidierte er das Gesetz später.

Nützliche Kontakte

Pence wuchs in einer Mittelschichtfamilie in Indiana auf. Nach dem Jura-Studium arbeitete er als Anwalt, Experte in einem Institut und konservativer Radiomoderator, bevor er in das Repräsentantenhaus in Washington gewählt wurde, dem er zwölf Jahre lang angehörte. 2012 wurde er dann zum Gouverneur seines Heimatstaates Indiana gewählt.

Vor allem aus seiner Zeit im Kongress bringt Pence für den künftigen Job nützliche Kontakte mit – sie können Trump womöglich helfen, sein belastetes Verhältnis zu den Republikanern im Kongress zu verbessern.

Der Vater dreier erwachsener Kinder ist ein Mann von nüchternem und zurückhaltendem Temperament, der aber versiert seine Positionen vertritt. Dies zeigte er während des Wahlkampfs etwa in seinem TV-Duell mit Tim Kaine, dem Vizekandidaten von Hillary Clinton. Pence stach mit seinem kühlen Auftreten und seiner pointierten Rhetorik den Rivalen aus.

Meinungsdifferenzen

Für sein Bündnis mit Trump musste Pence allerdings so manche Meinungsunterschiede zurückstellen. Nicht nur, dass der künftige Vizepräsident zu den Homosexuellen-Rechten wohl deutlich konservativere Ansichten vertritt als der Immobilienmogul. Pence war früher beispielsweise auch ein ausgesprochener Advokat des Freihandels.

Im Wahlkampf wurden die Differenzen im Kandidaten-Tandem manchmal sichtbar. Besonders gravierend war dies beim Thema Syrien. Pence räsonnierte über mögliche US-Luftangriffe gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad – Trump distanzierte sich.

Er habe mit seinem Vize darüber nicht gesprochen, und sei mit dessen Position «nicht einverstanden». Im Weissen Haus werden Trump und Pence sich solche eklatanten Kommunikationspannen definitiv nicht mehr leisten können. (sda/afp)